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Donnerstag, 7. April 2011

camper trailer Jungfernfahrt oder Central NSW Tour

Camperidyll
Unser langes Wochenende ging Freitagmorgen los. In Sydney waren es muckelige dreiundzwanzig Grad mit Sonnenschein. Das Wetter sollte sich aber noch mehrfach ändern.

Was wir uns schon gedacht haben: Die gut tausend Meter Höhenunterschied zwischen Sydney und den Blue Mountains liessen den Mazda ordentlich in die Knie gehen. Er hat es dennoch geschafft, uns inklusive der Sachen, die im Auto waren wie Kühlschrank und Gepäck und den proppenvollen Hänger da hoch zu bekommen.
Die Temperaturanzeige überzeugte uns dann auch relativ schnell, dass es besser sei, für´s Mittagessen noch ein paar Kilometer weiterzufahren. Die 15° mit Wolken in den Blauen Bergen waren nicht sehr verlockend, draussen ein Mittagspicknick zu machen.
So ging es dann durch Lithgow, wo es den australischen Indian Summer gab: Diverse Laubbäume hatten ihr Laub bunt gefärbt.
Es gab so gut wie keine Rastplätze mehr am Strassenrand. So fuhren wir noch eine ganze Weile, obwohl die Temperaturen wieder angenehmer wurden. Auf dem Weg nach Bathurst kamen wir an einigen Abzweigungen zu „correctional centres“ entlang. Man hatte den Eindruck, ein Gefängnis folgte dem nächsten.
Aber die Landschaft war abwechslungsreich und hübsch: Die Erde war schon rot, die Hügel grün, man konnte streckenweise einen Eindruck bekommen, wie die ersten Siedler die Gegend vorgefunden haben mussten. So lang ist das ja auch noch nicht her – keine zweihundert Jahre ist es her, dass man einen Pass über die Berge gefunden hat und somit auch das innere Australien erkunden und besiedeln konnte. Rinder- und Schafwiesen säumten die Strasse immer mal wieder.
An einem Wald ging es ab nach Sherwood. War demnach dort der Sherwood Forest?
Endlich gut dreissig Kilometer vor Bathurst fanden wir einen Rastplatz, wo wir dann endlich die Frickos und den Nudelsalat essen konnten. Hätten wir gewusst, wie nett Bathurst ist, hätten wir auch noch die dreissig Kilometer ausgesessen. Dort gab es einen Park nach dem anderen und alle – ganz australisch – mit Picknicktischen.
Bathurst ist eine nette Kleinstadt und gehört zu den ersten Inlandsiedlungen Australiens. Alles ist sehr lieblich, liebevoll bis spiessig gepflegt, was wir von manchen Gegenden in Sydney ja so überhaupt gar nicht gewohnt sind. Gerade der Westen Sydneys ist ja ehr als „usselig“ zu umschreiben.
Mit dreiundzwanzig Grad und Sonne war das Wetter wieder viel besser auszuhalten.
Bathurst ist bekannt für sein im Oktober stattfindendes Autorennen „Bathurst 1000“, wo V8-Wagen gegeneinander antreten. Neben der weiten Anreise aus Sydney – wir sind ja in Australien, da sind zweihundert Kilometer zeitlich viel weiter weg als in Europa – haben uns bisher der sehr hohe Eintrittspreis abgehalten, mal dorthin zu fahren.
Bathurst










Vom Mount Panorama runter
mit Bathurst im Hintergrund
Der Mazda auf halber Strecke vom
"Bathurst 1000 - Hängerklasse"





Ein Rennen ohne Rasen
ist doch langweilig...











Mazda heil wieder runter
nach 1000 m Rennstrecke
Der Beifahrer war nach dieser
grandiosen Runde kurzzeitig kopflos











Man kann aber auch so über die Rennstrecke fahren. Schon allein deswegen, weil von dort aus noch etliche Einfahrten zu Privatanwesen liegen. Wie sollten die sonst Besuch bekommen? Da haben wir es uns doch nicht nehmen lassen, den Mazda die Kurven und Hügel entlang zu fahren. Mit Hänger hinten dran – versteht sich! Das fand nicht jeder, der hinter uns herkam, toll, aber in Australien toleriert man ja sehr viel. Auch die Spleens anderer. Nach gut der Hälfte der Strecke, was rund fünfhundert Meter sind, hatten wir vom Mount Panorama runter eine wunderbare Aussicht über Bathurst und die dahinter liegenden Hügel und Ebenen. Wie gut, dass man zwischendurch neben der Strecke anhalten kann. Zum Beispiel, um Bilder zu machen.
Auf dem Weg zum Ziel kamen wir noch an einem Plakat der RTA (Road and Traffic Authority – Strassen- und Verkehrsbehörde) vorbei: „Speeding – You are in our sights“ – „Rasen? Wir haben dich im Visier!“. Das Plakat hängt normalerweise an fast jeder Autobahnbrücke. Aber auf einer Rennstrecke schien das schon abstrakt…
Nachdem wir das Ziel passiert hatten, haben wir uns noch den Shop des National Racing Museums angeschaut. Na ja, jedem Holden- oder Ford Falcon-Fahrer wäre hier warm ums Herz geworden. Uns nicht. So haben wir zugesehen, weiter nach Orange zu kommen.
Unterwegs kamen wir durch „Lucknow“, was auf Deutsch so viel wie „Jetzt Glück“ heissen könnte. Wer auf die Idee mit diesem Ortsnamen gekommen ist… Der war vielleicht nach einer langen Pechsträhne endlich glücklich?
Wenn man bedenkt, dass etwas zehn Prozent aller Äpfel aus Orange kommen und man sich relativ was drauf einbildet, hat der Ort den falschen Namen…
Aber schön war es dort nicht. Das Wetter war mit einundzwanzig Grad mit Sonne schon ok. Der Ort an sich ist aber nicht so nett. Da waren wir von Bathurst verwöhnt und anderes gewöhnt. Durch Orange waren wir ja einfach nur durchgefahren. So einladend fanden wir das Nest nicht.
In Central NSW scheint so einiges angebaut zu werden. So gab es einige Obstplantagen und Weinstöcke, die Bauern waren dabei, die Ernte zu beenden. Immermal wieder wurde man auf dem Highway von Strohtransporten aufgehalten. Vieh graste auf den teilweise schon umgepflügten Äckern. Und es scheint jedemenge Füchse dort zu geben. Die wurden ja in Australien irgendwann eingeführt, damit die Engländer hier ihrer Leidenschaft für die Fuchsjagd frönen konnten. Trotz Fuchsjagden haben die Tiere überhand genommen. Andererseits… Wir haben sie nur tot neben der Strasse als roadkill gesehen.
Wir hatten in unserem NSW-Campingführer uns schon für einen Campingplatz entschieden, wo wir für die nächsten zwei Tage übernachten wollten. So ging es nach Mumbil.
Auf dem Weg dorthin ging es durch die Hügel Newsouthwales´s, an Weiden und Äckern vorbei, durch Wälder, durch Kaffs, die aus ein paar hundert Einwohnern bewohnt wurden. Manchmal konnte man in Ebenen blicken.
Am Store Creek kurz vor Mumbil haben wir noch mal kurz angehalten, etwas Wasser aus dem Kofferraum holen. Dort in den Auen um den Bach herum trieben sich King Parrots, Eastern Rosellas und Noisy Miners rum. Nett.
Dann ging es durch Stuart Town, was auch nur ein Kuhdorf ist und Mumbil, einem weiteren Kuhdorf, durch. Wo ging es denn zum Campingplatz? Normalerweise sind die ja immer schon Kilometer vorher ausgeschildert. Hier nicht… Unser Navi war auch vollkommen überfordert dort in der Einöde.
Es gab ohnehin nur eine Strasse und der sind wir dann erstmal noch eine Weile gefolgt. Und… Dann kam doch tatsächlich ein Schild zum Lake Burrandong State Park, wo der Campingplatz war. Lutz erkannte alles auch sofort, da er die Zufahrt schon im Streetview gesehen hatte.
Der Campingplatz lag in diesem Naturschutzgebiet oberhalb des Lake Burrandong, eines Stausees und selbst von unserer zweiten Reihe aus hatten wir noch eine schöne Aussicht.
Dann hatten wir Premiere: Das erste Mal den camper trailer komplett und so aufbauen, dass man darin wohnen kann. Ich war ja froh, dass gerade wenige Camper da waren. Obwohl es ja das erste Mal war, dass wir das Ding aufbauten, wollte ich uns ungerne blamieren.
Aber insgesamt hat alles sehr gut und auch verhältnismässig schnell geklappt. Lutz hatte auch im Nullkommanix unseren camper trailer/das Zelt mit Strom versorgt. Später mussten wir noch feststellen, dass unsere gerade angekommenen Nachbarn beim Aufbau ihres camper trailers auch nicht schneller waren.
Um die Wohnwagen und camper trailer schwirrten viele Vögel. Currawongs, die sich dort anders anhörten, als die, die im Brennan Park bei uns gegenüber von Zuhause wohnen, Krähen, Noisy Miners, King Parrots, Kakadus. Aber keine Lories. Dafür grasten auf den Wiesen in einem gewissen Abstand von den Menschen einige Kängurus.
Es schien dort auch Heuschreckenzeit zu sein. Das war echt unglaublich! Überall um das Toiletten- und Duschgebäude herum schwirrten sie. Hüpften einen blind an. In den Duschräumen wusste man manchmal nicht, wo man hintreten sollte, weil überall halbtote Grashüpfer rumlagen. Draussen um eine Laterne herum flogen tausende.
Lake Burrandong
Ein Nachbar auf dem Campingplatz










Auf einer kleinen Erkundungstour sind wir zum Park- und/oder Campingplatz-eigenen Kiosk gegangen, in der Hoffnung, dort einen Kaffee zu bekommen. Aber nachdem uns in Aussicht gestellt wurde, dass es nur Instantkaffee geben würde, sind wir wieder abgezogen. Neben dem Kiosk gab es noch Schwimmbecken. Eins sogar mit langer Rutsche. Aber wir wollten ja Kaffee. Also sind wir zurück zum Zelt und haben uns richtigen Kaffee gemacht. Immerhin hatten wir ja Pulverkaffee und einen camping plunger („Kaffeepresse“ – nicht wie üblicherweise aus Glas) dabei.
Kurze Zeit später war es auch schon Zeit für Abendessen. Eigentlich hatten wir „Grillen“ geplant. Aber erstmal war Reste-essen angesagt. Ein ordentlich durchgezogener Nudelsalat und Frikadellen sind auch nicht zu verachten!
Mit zwei mitgebrachten Piccolöchen haben wir auf unsere erste Campingtour angestossen.
Nach dem Essen haben wir noch einen Verdauungsspaziergang zum See hinunter gemacht. Im Stockdunklen. Mit einer Taschenlampe. Das hatte den Vorteil, dass man die Milchstrasse sehr gut sehen konnte und das Kreuz des Südens auch sofort zu erkennen war.
Unten am Wasser waren noch einige Angler, die ihren Fang ausnahmen. Der See ist bei Anglern, Wassersportbegeisterten und Familien gleichermassen beliebt. Als wir vom Wasser zurückgingen, waren die Angler weg. Um den „Ausnehmtisch“ herum standen Tonnen mit frischen Fischresten. In Sydney wären die Tonnen auf alle Fälle geschlossen gewesen. Hier nicht. Offensichtlich gibt es dort am See keine Tiere, die sich für die Fischreste interessieren. Oder doch – es ist für die Wildtiere- , aber der Platz sieht, nachdem sie sich bedient haben, nicht zu unordentlich aus.
Nachdem sich unsere Nachbarn gegen zehn alle in ihre Betten verzogen hatten, haben wir das nach einem kleinen Absacker auch gemacht: Die erste Nacht im Zelt auf dem Hänger. Uih!

Die Nacht war lala. Lutz hustete etwas. Aber eins der Kinder nebenan bölkte, was das Zeug hielt. Na ja, irgendwann ist man dann so müde, dass einem alles egal ist.
Für morgensfrüh hatten wir einen Heizlüfter dabei. Die Idee hat einen Kollegen von Lutz wohl überrascht… Aber es war gegen halb neun schon so angenehm warm, das wir den Heizlüfter erstmal nicht brauchten.
Für zwanzig Cent konnte man dreieinhalb Minuten warm duschen. Über Nacht hatte ich mir schon Gedanken gemacht, wie man es am besten mit den ganzen Heuschreckenleichen und dieser beschränkten Zeit mit warmen Wasser anstellt. Für die Heuschrecken hatte ich keine Lösung, da es nirgendwo einen Besen oder Mopp gab. Mit dem Duschen hatte ich weniger ein Problem: Erst einseifen, dann Geld einwerfen und dann warm alles abduschen. Mein Heuschreckenleichenproblem wurde aber durch den Ranger gelöst – der war gerade am Putzen. Zwar konnte ich nicht sofort duschen, dafür wurde mein Warten mit einer sauberen Dusche belohnt. Lutz freute sich noch, dass sich meine Duschzeit durch dieses Warmwasserlimit drastisch verkürzt hatte… Haha!
So prima wie bisher bei unserem Campen alles geklappt hatte, klappte es auch mit dem Frühstück. Der Gaskocher funktionierte, der Wasserkocher auch, Kaffee gab es wieder aus dem plunger und auch dieser komische Campingtoaster, den man auf den Gaskocher platziert, funktionierte. Toll!
Dann ging es nach Dubbo. In den Zoo; einer „Niederlassung“ des Taronga Zoos in Sydney. Und auf eine sechs Kilometer Fahrt durch den selbigen.
Auf der Fahrt nach Dubbo ging es wieder durch Käffer. Auffallend war immer: Jedes hatte seine Pferderennbahn und einen relativ grossen Friedhof direkt an der Strasse.
Dubbo ist etwa so gross wie Bathurst und um zum Zoo zu kommen, mussten wir einmal quer durch.
Neben dem eigentlich verhältnismässig kleinen Parkplatz war das Eintrittskarten-, Souvnirshop-, Café- und Toilettengebäude. An der Café-Terrasse hatte man einen kleinen See mit Inseln angelegt. Jede Insel war ein Gehege für eine Tierart. Zu unserer ganz eigenen und persönlichen Freude gab es auf einer Insel fünf „King Juliens“ => Kattas, eine Lemurenart, wo man sehr gut erkennen konnte, dass die Filmleute von „Madagascar“ sich sehr gut über die Tiere und ihr Verhalten informiert haben. Nur die Hüpfburg fehlte…
Dann ging es los durch den Zoo. Man konnte sich aussuchen, ob man die sechs Kilometer Weg mit dem Auto, einem Elektroauto, mit dem Fahrrad oder zu Fuss „sich erarbeitet“. Anders als in einem Safari-Park fährt man in Dubbo nicht zwischen den Tieren durch, sondern hält an Parkplätzen und kann von dort aus sich verschiedene Gehege anschauen und dann zum nächsten Parkplatz weiterfahren.
Leider waren wir zu spät angekommen, so dass wir keine sinnvolle Tour mehr für die diversen Informationsveranstaltungen in den verschiedenen Gehegen hinbekamen. ‚Ok, sehen wir zu, dass wir um drei durch sind, um wenigstens noch den „talk & feed“ bei den Lemuren mitzubekommen.’
Der Zoo ist wirklich toll. Auf dreihundert Hektar gibt es verglichen mit anderen Zoos riesige Gehege, wo verschiedene Nashornarten, afrikanische Wildhunde, Kamele, diverse Antilopenarten, Giraffen, Straussen, Geparden, Zebras, afrikanische und indische Elefanten, Nilpferde, Tiger, Löwen, Otter, Przewalskipferde, Büffel, Gibbons, Galapagosschildkröten, Tapire, Alpakas, die Lemuren natürlich, typische australische Tierchen wie verschiedene Känguru-Arten, Koalas, Echidnas und Emus und noch viele weitere Tierchen für sich wohnen.
Nach x Tierparks mussten wir
den auch noch sehen











Persische Irgendwas mit Kamel
Irgendwie haben alle Nashörner
x-Beine







So läuft ein Strauss, nachdem er
gegen einen Baum gerannt ist...











Keine Angst vor grossen Tieren
Im Vordergrund der
Wahnsinnszaun
für die Giraffen
(unten der Draht,
nicht das Ding links!)







"Knuddelrunde mit Inder"











Afrika in Oz
Fast wie zuhause in Afrika (...)





Indische Gemütlichkeit










Ein Gepard in seinem
unnatürlichen Lebensraum
neben einem Eukalyptusbaum
Zwei der drei Hippos im Zoo








Den Tiger packt man besser
in keinen Tank!...











Zwei Löwen löwen
Löwe schaut sich Unterhaltungs-
programm "Besucher" an






Zebras halt...










Przewalski-Pferde
Einfach mal abhängen






Als wir kamen, kamen auch
die Otter aus ihrem Versteck













Ein schöner (Dingo)Rücken
kann entzücken
Ein Echidna (Ameisenigel)
auf dem Ärmchen





Typische Koala-Haltung













Ein Emu in der Wiese
Galapagosschildkröten






Ein paar Südamerikaner











Noch ein Südamerikaner
Anna-Marie mit ihren
fünf "King Juliens"











Um drei Uhr setzte Anna-Marie mit einem tinny (typisch australisches Blechboot) zur Katta-Insel über, um uns die lustigen Kerlchen näher zu bringen. Während sie da sass, erzählte und Fragen beantwortete, turnten die Lemuren um sie herum und futterten begeistert, was sie mitgebracht hat. Der Renner müssen da wohl Datteln sein.
Da der Zoo um vier Uhr schliesst, haben wir uns auch auf die über einstündige Fahrt über sechzig Kilometer zum Campingplatz begeben. Unterwegs haben wir noch an einem Einkaufszentrum angehalten, um nach langem mal wieder einen Boost zu trinken und vor allem, um schon mal unsere Liste abzuarbeiten, die wir am Vorabend begonnen hatten nieder zu schreiben. Wir haben uns zwar sehr gut auf unsere erste Campingtour vorbereitet. Es gab nichts, was gravierend gefehlt hätte. Aber halt Kleinigkeiten. Ausserdem waren wir mit den mitgebrachten zehn Litern Trinkwasser schon fast durch, so dass wir davon auch neues brauchten. In Australien ist es immer besser, etliche Liter Trinkwasser dabei zu haben. Klar, bei warmen bis heissen Wetter ist das wichtig. Aber auch so schon mal: Als wir letztes Jahr in Port Macquarie waren, kam das Wasser im Motel rostbraun aus dem Wasserhahn. So auch jetzt am Lake Burrangong auf dem Campingplatz. An den Waschmaschinen dort hingen Schilder, dass sich die Wäsche durch das Wasser verfärben könnte. Na, prima! Aber in jedem Supermarkt in Australien hat man eine riesige Auswahl an Trinkwasser in den unterschiedlichsten Behältern (Kanister, Karton, Flasche) in den verschiedensten Grössen (bis fünfzehn Liter pro Einheit).
Die Landschaft im Central ist sehr schön, aber manchmal öd und einschläfernd, so dass wir erstmal wieder Kaffee brauchten, um in die Gänge zu kommen. Ausserdem gab es auch in Dubbo im Zoo zum Eintritt eine Tageszeitung. Das gibt es in Australien sehr häufig. Lutz schmunzelte beim Kaffee nur „Vierhundert Kilometer weg von Sydney les ich den (Sydney) Morning Herald!“.
Dann gab es endlich Gegrilltes zum Abendessen. Unsere Grillplatte auf dem Gaskocher war toll und so schmeckten die Steaks auch hervorragend.
Nach dem Spülen „im Sonnenuntergang“ haben wir uns in der Dämmerung auf die Suche nach den Bootsrampen begeben, die es dort geben sollte. Drei sollten es laut Plan sein. Wir haben alles Mögliche gefunden. Aber keine Bootsrampen… Später haben wir festgestellt, dass wir noch einiges hätten laufen müssen, um dorthin zu gelangen. Australien, ein Land der Weiten, die wir manchmal noch immer unterschätzen.
An diesem Abend gab es auch wesentlich weniger Heuschrecken, was in jeder Hinsicht angenehm war. Leider war es aber auch etwas frischer, so dass der Heizlüfter endlich zum Einsatz kam, das Zelt aufwärmen. Herrlich! Und obwohl des Nachts die Uhren von Sommer- auf Winterzeit umgestellt wurden, es Samstagabend war und gegen frühen Abend nebenan noch Party war, waren wir wieder die letzten, die in die Federn krochen. „Zehn Uhr ist Ruhe“ – so liest man es in jeder Campingplatzordnung. Und Zelte sind ja sehr schallungedämpft. Da liegt es nah, dann auch direkt schlafen zu gehen.
See und Skippys in der Dämmerung
Nur bei Hempels sieht es schlimmer aus   ;o)











Sonntagmorgen war Packen angesagt. Auch bei vielen unserer Nachbarn. Und so gut, wie der Aufbau geklappt hat, funktionierte auch der Abbau. Bevor wir dann aber abgehauen sind, sind wir bei Tageslicht mit dem Auto noch den Park abgefahren und fanden neben erlaubten Wildcampern auch Bootsrampen. Keine betonierten, wie man sonst so sieht, aber der Schotter ging auch abschüssig in den See und da ausser uns jeder meint, man braucht einen Geländewagen zum Hängerziehen, klappte das auch immer.
Bei angenehmen zweiundzwanzig Grad ging es dann los. Über Wellington weiter nach Parkes, Forbes und Cowra, wo wir die letzte Nacht verbringen wollten. In Wellington stand noch ein Schild an einer Brücke, dass man nicht auf die Brücke fahren sollte, wenn sich darauf Pferde befinden würden. Hä? Ach sooo, dahinter war die Wellington-eigene Pferderennbahn.
Am Lake Burrandong










Agaven in der Nähe von Mumbil
Yukkas zwischen Mumbil und
Wellington (AUS!!!   ;o)   )







Irgendwo unterwegs
- eine Stelle wie viele


 









On the road again...
...and again...











Unterwegs waren wir auf den gut ausgebauten Strassen alleine unterwegs, so dass alles ein wenig unwirklich erschien. Der Mazda schnurrte, der Hänger rollte leise hinterher, Lutz und ich schauten uns die Gegend an, das Radio hatte keinen Empfang und war aus, man sah kein Windchen in den Bäumen, die Tiere auf den Weiden schienen dort wie Figuren aufgestellt zu sein. Merkwürdig.
Merkwürdig sahen auch die Palmen aus, die man manchmal an Häuser gepflanzt hatte. Sie passten so überhaupt nicht zum Landschaftsbild mit den trockenen, langgrasigen Wiesen und den vielen Eukalyptusbäumen.
An den Strassenrändern lagen wieder einige totgefahrene Füchse und auch mal Kängurus rum, für europäische Augen sahen die Äcker mit ihrer roten Erdfarbe seltsam aus, auf den Wiesen grasten wieder Pferde, Rinder und so unendlich viele Schafe. Fast wie in Irland. Bloss da wären sie wohl ehr auf der Strasse und nicht hinter einem Zaun gewesen. Wir hatten unseren Spass „Guck mal! Ugg-Boots!“, „Ugg-Boots to be!!“ oder „Ugg-Boots im ersten Produktionsschritt“. An den Farmeinfahrten standen Schilder, womit man hier Geld machte: Angorawolle, Meriowolle, Wein, Rinder, Getreide, Schafe.
Irgendwo unterwegs... mit
"Ugg Boots to be" (Schafe)
Rote Äcker












Irgendwann kamen wir durch Yeoval. Auf so ziemlich jedem grösseren Schild hatte man ein Fahrrad montiert. Wir konnten auf unserer Durchfahrt nicht herausfinden, was es damit auf sich hat. Aber man rühmte sich damit, dass es dort das erste ‚multipurpose medical centre“ in Newsouthwales gegeben haben muss. Wir haben mal vermutet, zwei Ärzte mit unterschiedlichen Fachgebieten haben sich zu einer Praxis zusammengetan.
Unterwegs auf dem Renshaw-McGirr-Highway kamen wir noch am Goobang National Park vorbei.
Irgendwann teilte uns ein Schild mit, dass es, wenn man rechts abbiegt, vierzehn Kilometer bis Alectown seien. Ah ja, dort ist ja noch ein Radioteleskop! So sind wir dann dort abgebogen. Auf die Schotterpiste (…). Das Teleskop in der Entfernung schon im Blick. Aber irgendwie ging es links, rechts, rechts, links oder so ähnlich, das Teleskop konnte man links immer zwischen den Bäumen sehen, aber man kam irgendwie nicht dran. Nachdem wir auf der Schotterpiste unendlich viel Staub aufgewirbelt hatten, kamen wir durch Alectown, wo es aufeinmal auch wieder Verkehr gab. Einige Meter ausserhalb des Ortes kam dann endlich die Einfahrt zum Radioteleskop, was sich hauptsächlich damit auszeichnete, dass es in dem australischen Quatsch-Film „The Dish“ (Die Schüssel) „mitgespielt“ hat. Auf der Strasse dorthin sonnte sich ein „water dragon“.
Wir sind ja auch etwas verwöhnt. Nachdem die Ausstellung dort nicht annähernd so informativ war, wie die bei dem Teleskop bei Canberra und auch keiner während eines Schwätzchens Auskunft geben konnte, haben wir uns zwei coffee to go besorgt und wollten wieder weiter. Da ich noch Interesse am Souvenirshop bekundete, ist Lutz schon mal zum Auto, ein wenig Augenpflege betreiben. In dem Laden gab es viele interessante Bücher über Astronomie und verschiedene Tiere. CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation - staatliche Behörde Australiens für wissenschaftliche und industrielle Forschung) betreibt nicht nur das Teleskop, sondern auch einen Buchverlag. Und ein Kühlschrankmagnet musste noch her. Als ich bezahlen wollte, sprach mich die Kassiererin an. So wie man das halt in Australien einfach und immer und überall macht. Als wir vorher reingekommen waren, fand ich schon, dass sich ihr „hello“ sehr deutsch anhörte. Es stellte sich heraus, dass sie vor fünfundzwanzig Jahren Hamburg gegen Central Newsouthwales eingetauscht hatte und dort nun auf einer Schaffarm lebte. Und während wir uns auf Englisch unterhielten fragte sie, ob Lutz und ich untereinander auch Englisch sprechen würden. Dieselbe Frage hat Leanne mich auch schon mal gefragt. Das finde ich lustig! Nur weil wir nun in einem englischsprachigen Land leben, müssen wir uns untereinander ja nicht in der Sprache unterhalten. Ok, wir machen das schon, wenn zum Beispiel Dean und Leanne dabei sind. Aber wir beiden alleine Zuhause? Neee, da wird Deutsch gesprochen.
Das Teleskop immer im Blick











Nicht auf dem Holz- aber dem
Schotterweg zum Radioteleskop
Das Teleskop hatte die Hauptrolle
im Aussie-Streifen "The Dish" -
viel mehr zu bieten hatte man auch nicht...






Das Radioteleskop bei Alectown












Weiter ging es dann durch Parkes, einem Ort, der etwas grösser als Wellington erschien. Sehr auffallend waren die etlichen Motels überall.
Unsere Weiterfahrt wurde durch einen Güterzug unterbrochen, der gerade den Bahnübergang passierte, über den wir rüber mussten. Im Central gibt es ja viel Bergbau und der Zug schien Kohle zu transportieren.
Insgesamt waren, seitdem wir von dem Teleskop weggefahren waren, wieder mehr Leute mit camper trailern oder Wohnwagen unterwegs. Und auch – zumindestens rund um Sydney – an einem Sonntag ungewöhnlich: Es fuhren jedemenge LKWs, wovon fast keiner ein Kühltransporter war.
Eigentlich dachten wir, Tiere würden sich die toten Tiere vom Strassenrand holen. Aber einmal lag ein Känguruskelett neben der Strasse.
Dann kamen wir durch Forbes, was ein wenig wie Parkes ist, ausser, dass es hier noch einen See gibt. Von Forbes aus fuhren wir den Lachlan River entlang auf dem Mid Western Highway/Lachlan Valley Way weiter nach Cowra. Teilweise ist der Lachlan River ehr Mangrove als Fluss. Auf der Strasse waren etliche Heuschrecken jeglicher Grösse unterwegs. Jetzt wussten wir auch, warum so viele Autos ein engmaschiges Netz um den Kühler gebunden hatten.
In Gooloogong wurde uns mitgeteilt, dass es sich dabei um eine“tidy town“, eine saubere Stadt, handeln würde. Na…..
Wieder wie fast alle Orte vorher sah es dann in Cowra aus. In Cowra wurde ein Stück australischer Geschichte geschrieben, was gerne totgeschwiegen wird: Dort gab es während des zweiten Weltkrieges ein Konzentrationslager, aus dem tausende Japaner geflohen sind. Bei der Flucht sind aber auch hunderte Japaner umgekommen.
Durch diese japanische Vergangenheit sahen wir nach Tagen dort mal wieder einen Sushi-Imbiss. Ausserdem gibt es einen japanischen Garten, den wir uns angeschaut haben. Aber es erinnerte schon etwas an ‚Australier und Aborigines’ – es arbeiteten dort nur „Weisse“. Der Garten war toll und lud zum Schlendern ein. Ausserdem hatte man teilweise eine gute Sicht auf Cowra oder die Ebene drumherum und auch auf den Garten. In zwei Persimmonbäumen liessen sich Rainbow Lorikeets, wie wir sie auch zuhause auf dem Balkon haben, und Noisy Miners die Früchte schmecken. Das muss ein Festessen gewesen sein. Wie im Schlaraffenland, so wie die Bäume mit Früchten überladen waren.
Eine sehr schöne Gartenanlage











Japanischer Garten in Cowra
Wo Kois was abbekommen könnten,
gäb es doch bestimmt auch was
für eine Ente!!








Cowra Japanese Garden











Der Japanische Garten zu Cowra
Cowra Japanischer Garten







Japanischer Garten













Japanischer Garten Cowra
In die Ebene bei Cowra geblickt,
vom Japanischen Garten aus








Lutz in der "Wisteria Lane"










"Japanesischer" Garten in Cowra
Lori im Japanischen Garten lässt
sich die Persimmons schmecken







Japanischer Garten Cowra










Lori im Japanischen Garten - nein,
den haben wir nicht mitgebracht
Auch dem Noisy (Noisy Miner)
schmeckt die Persimmon








Cowra - vom Japanischen Garten weg












Als es langsam gen Sonnenuntergang ging, sind wir dann der Berg wieder runter Richtung „downtown Cowra“ gefahren. Dabei stellte sich heraus, dass der Campingplatz unserer Wahl dort auch schon direkt lag. Das war praktisch, weil man nicht noch grossartig suchen musste. Aber so direkt an der Hauptstrasse?!?
Die beiden Leute an der Anmeldung machten auch den Eindruck, als hätten wir sie gestört. Na ja, dafür war die Anlage sauber und ordentlich. Wie wir später herausfanden, war der Campingplatz städtisch. Ach so, deswegen waren die beiden so komisch.
Komisch war auch, dass sich um uns herum alles knubbelte: Wohnwagen, Wohnmobile, camper trailer. Die andere Hälfte des Campingplatzes war komplett leer.

Die Nacht war relativ (un)ruhig. Natürlich waren alle wieder gegen zehn im Bett verschwunden. Eine halbe Stunde später kam dann noch ein LKW an, der mit viel Lärm einparkte. Ganz zu schweigen von dem Krach, der von der Strasse her kam. Einen Wecker hätten wir uns auch nicht stellen brauchen. Punkt acht Uhr fuhr der Müllwagen über den Campingplatz und leerte alle Tonnen. Das waren viele, weil auf der äusseren Seite des Rundweges jede Hütte dort mit jeweils einer Tonne ausgestattet war.
Dafür hatten wohl alle gut geschlafen und waren gut drauf. Selbst die beiden von der Anmeldung hatten bessere Laune.
Gegen zehn ging es für uns dann gen Heimat. Wir kamen sowieso durch Bathurst und weil es uns auf der Hinfahrt schon so gut gefallen hatte, haben wir uns das Städtchen noch genauer angeschaut. Ein wenig durch die Geschäftsstrassen sind wir geschlendert, an vielen alten und ein paar neuen Gebäuden vorbei, bis wir an der Touri-Info waren. Dort gegenüber ist die Trabrennbahn, wo gerade Traber trainiert wurden. Hätten wir noch mehr Zeit gehabt, hätten wir noch den einen oder anderen Vorschlag, den die Info parat hatte, erleben können. Aber wir mussten ja noch ein paar Kilometer fahren. Nach einem kurzen Mittagessen bei „Hungry Jack´s“ (woanders heisst der Laden „Burger King“) ging es dann weiter Richtung Hazelbank Road in Wollstonecraft.
Ausgerechnet wenn wir kommen,
wird die Leitung verlegt...











Blinder Passagier
Der Elzer Berg von Australien -
irgendwo zwischen Cowra und Bathurst










Unterwegs musste der Mazda
einige Berge hoch und runter












Bathurst - das alte
Gericht im Hintergrund
Platypusse (Schnabeltiere)
gibt es in Bathurst nur auf den
Bürgersteig gesprayt
Sonst haben wir sie bisher
aber auch nur aus Plüsch gesehen....








Bathurst montagsmittags










Jep! Auch in Oz kann es kalt werden!!
Die Touri-Info von Lithgow











Erst als wir die Blue Mountains schon fast überquert hatten, etwa ab Katoomba, sahen wir wieder „Touri-RVs“, also Wohnmobile, die man irgendwo leihen konnte. Bis ins Landesinnere fahren wohl die wenigsten Touristen. Na ja, die Zeit drängt ja oft und die Strecken sollte man nicht unterschätzen. Durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von höchstens hundertzwanzig Stundenkilometern kommt man langsamer als in Deutschland voran. „Mal eben“ irgendwo hinfahren klappt in Australien sehr sehr selten.
Nach gut eintausendzweihundert Kilometern Fahrt waren wir zurück in Sydney. Das Wetter war bewölkt und kälter als in Central NSW. Nach einem kurzen Schwätzchen mit Nachbar Ian und seiner Verwandtschaft haben wir den Hänger kurz grundgereinigt und ausgeräumt. Als wir mit Aufräumen fertig waren, warteten die Lories schon länger auf uns. Einer, den man gut an seinen roten „Stichelfedern“ in der blauen Kopfbefiederung erkennen kann, kam mehrfach in die Küche gelatscht. Einfach so. Ganz selbstverständlich. Entsprechend gross war der Protest, als wir die Lories dann irgendwann draussen hinter der Tür gelassen haben.
Es wurde aber auch aufeinmal kalt und übelster Dauerregen setzte ein. Home sweet Home!
Die Lories hängen an uns
- so gross war die Wiedersehensfreude
Ein Lori latscht schon in die Küche,
sich seine Weintraube abholen...












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