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Dienstag, 21. September 2010

Eipotts und Flugzeuge

Die Woche fing damit an, dass ich ein Jahr älter wurde. Bäääh! Lutz hat alles gegeben, dass ich einen schönen Tag hatte: Er hatte das herrlichste Sommerwetter bestellt, was es dann auch gab, wir haben gemütlich gefrühstückt und ich bekam Geschenke, abends waren wir im Lavender Blue in North Sydney lecker dinieren und noch auf einen „Verdauungsspaziergang“ am McMahons Point. Das ist abends dort sehr schön, da man über das Wasser hinweg die erleuchtete Skyline von Sydney vor sich hat, inklusive Harbour Bridge und dem Opernhaus. An dem Abend flogen unzählige Flughunde oder richtige Fledermäuse um die beleuchtete Harbour Bridge rum. Wegen des schönen Wetters waren wohl alle Insekten an der Beleuchtung unterwegs. Somit hatten auch die Fledermäuse ein Festessen.
Ja, bei seinem Geburtstagsgeschenk hat Lutz sich wohl Gedanken zu meinem Berufshausfrauendasein gemacht und hat mir im „Apfel-Geschäft“ einen „Eipott“ gekauft. Ich hab mich riesig gefreut! Ich hatte schon häufiger in Geschäften, die sowas anboten, an diesen Probiergeräten rumgespielt und der alte MP3-Spieler wollte auch nicht mehr so richtig. Ausserdem, meinte Lutz, würde mir „die richtige Mucke auf den Ohren fehlen“, damit ich beim Laufen mit ihm mithalten könnte. Harrr harrr harrrrrr… Ich lauf zwar noch immer wenig mit Musik auf den Ohren, aber ansonsten freu ich mich, dass ich, wenn ich allein unterwegs bin, wieder Unterhaltung hab.

Dienstags war entgegen dem Wetter vom Vortag Weltuntergangsstimmung. Es goss und goss und goss den ganzen Tag. Unglaublich!
Ausserdem kam Vince nachmittags vorbei. Er ist von der Immobilienfirma, die unsere Wohnung für unsere Vermieter verwaltet. Nachdem er die Wohnung gesehen und Notizen und Bilder gemacht hatte, versicherte er mir da schon, dass es kein Problem sein würde, dass der Mietvertrag verlängert würde. Zwei Stunden später rief er an, er hätte auch die Bestätigung unserer Vermieter und würde uns den neuen Vertrag zuschicken. Ja, prima! Da sind wir diese Sorge ganz schnell losgeworden. Wir müssen uns erstmal keine neue Bleibe suchen, sondern bleiben noch mindestens ein Jahr in der Hazelbank Road zu Wollstonecraft wohnen.

Am Donnerstag wurde ich kurzfristig aus meinem Hausfrauendasein gerissen: Auf der anderen Strassenseite im Park baute ein Fernsehteam alles mögliche auf. In der Ecke an der Kreuzung vor unserem Haus standen Kameraleute, Regisseur und andere und ein Moderator wanderte gut zwei Stunden lang immer mit anderen Anmoderationen auf die Kamera zu. Irgendwann stellte sich heraus, dass es Scott Cam von The Block war. Ich fand´s relativ spannend, worüber Lutz sich später wiederum lustig machte. The Block ist eine DIY Show (do it yourself show), sprich eine Sendung für Häuslebauer und ähnliche. Na ja, sonst passiert in der Hazelbank Road halt nicht so viel…

Samstagmorgen haben wir den Fischmarkt ausfallen lassen müssen!! Unglaublich, aber wahr!! Wir hatten Karten für eine Flugschau in Williamtown nördlich von Newcastle. Und es war ausgesprochen gut, dass wir schon so früh da waren. Es war zwar wieder super organisiert wie alle Veranstaltungen, bei denen wir bisher in Australien gewesen sind, aber es war auch richtig was los! Ausserdem musste man vom Parkplatz aus über die Rollbahnen auf das Gelände. Ab mittags waren die Rollbahnen bis spät nachmittags gesperrt und man hätte nur mit einem shuttle bus wieder zum Auto gekonnt. Aber immerhin…
Es waren unglaublich viele Flugzeuge ausgestellt. Da es ja der Stützpunkt der RAAF, der Royal Australian Air Force, war, waren es fast ausschliesslich militärische Flugzeuge. Oft standen daneben deren Piloten, die umfassend die Fragen aller Neugierigen beantworteten. Oder man konnte die ganz grossen Maschinen auch von innen besichtigen. Wie gut, dass Lutz und ich das schon in Illawarra mal gemacht hatten! Es war unglaublich!! Überall standen die Leute in Schlangen: Vor den Flugzeugen, vor den Ess- und Getränke ständen, vor den Toiletten… Aber der gemeine Australier ist anstehen ja gewohnt, hält das ausgesprochen lange durch und wird nie ungeduldig oder drängelt sich gar vor.
Wir waren auch noch halbwegs mit Dean und Leanne dort verabredet. Mit den beiden sind wir dann durch die Hangars gezogen und haben uns dort die Stände und deren Angebote angeschaut. Irgendwann wollten die beiden wieder auf die andere Seite der Rollbahn, um sich von dort aus das Flugprogramm anzuschauen, so dass sich unsere Wege wieder trennten. Wir sind im Getümmel geblieben und haben es uns mit den anderen auf der Wiese neben der Rollbahn gemütlich gemacht. Das war wieder richtig australisch: Jeder hatte „cheap chairs“ (billige Klappstühle) oder eine Picknickdecke und eine Tasche/Rucksack/Kühltasche mit Proviant dabei.
Dann begann das Programm. Alle möglichen Flugzeuge in allen möglichen Grössen und für alle möglichen Zwecke wurden vorgeflogen. Zwischendurch war mal kurz Pause, da die Rollbahn unter anderem auch noch zum Regionalflughafen Newcastle gehört und man ein paar Passagierflugzeuge durchlassen musste. Dann ging es weiter. Es gab einen Pas des Deux mit zwei Helikoptern, Formationsflüge, Kunstflüge und sowas wie eine „Leistungsschau“ – es schien, als wenn die Piloten alles aus den Flugzeugen rausholen und uns deren Leistungsfähigkeiten vorführen würden. Die Formationsflüge waren sagenhaft und teilweise atemberaubend, weil man von unten teilweise dachte „Ups! Gleich krachen sie zusammen!“. Das ist glücklicherweise nie passiert und Lutz und ich haben schon gelästert, dass die Lories sich bei den Piloten noch was in Sachen Formationsflug abgucken könnten, so wirr wie die „kleinen Biester“ manchmal fliegen.
Ein Flugbild war, dass fünf unterschiedliche Flugzeuge das flogen, was man selten am Himmel, aber dafür häufig auf Schultern, Oberarme oder Waden tätowiert sieht: Das Kreuz des Südens.
Insgesamt war es schon eine sagenhafte Vorstellung! Man darf gar nicht daran denken, was mit diesen technologischen Meisterleistungen alles angerichtet werden kann!

Irgendwann waren die Flugvorführungen vorbei und man hatte noch gut eine Stunde Zeit, bis das Gelände geschlossen wurde. Das war auch gut so. Denn erstmal sind schon mal viele losgestürmt, um zu ihren Autos zu kommen, da kurz die Rollbahn für die Fussgänger frei war und ausserdem konnten Lutz und ich uns noch den Rest anschauen. Sehr nett waren die Welpen der Hundestaffel, die man zeigte. Und natürlich gab es noch immer Piloten, die bereitwillig Rede und Antwort zu ihren Flugzeugen standen. Zu Lutz´s Freude gab es auch eine Ecke mit Modellflugzeugen und –hubschraubern. Der Anblick, wie die Modellhubschrauber durch den Himmel wirbelten erinnerten Lutz und mich an Walter aus der Monheimer Turnhalle. Alle anderen Zuschauer waren ehr erstaunt, dass so verrückte Manöver geflogen werden können. Na ja, mit einem Modell halt…
Nachdem wir uns noch eine kleine Abschlussparade angeschaut haben, war es auch an der Zeit, sich auf den Weg zum Auto zu machen. Da aber - wie häufig in Australien - nur EIN Weg vom Flughafen wegführte, konnten wir uns auch nur beim Stau hinten anstellen und warten, bis wir auf der Hauptstrasse waren. Aber von da an ging es gut weiter.
Es gab sogar Handwaschstellen -
zeitweise sogar mit Wasser
Unterwegs – es war schon dunkel – rief Dean an, ob wir gut nach Hause gekommen wären. Hä? Wir sind noch unterwegs!! Ja, aber wir wollten doch den nächsten Morgen in Urlaub fliegen. Sie (Dean & Leanne) wären schon gegen fünf Uhr wieder daheim gewesen. Dean war dann auch sehr beeindruckt, dass wir zuhause nur schnell was essen würden, packen, noch ein wenig auf die Couch und dann ab ins Bett, um am nächsten Morgen gegen acht schon wieder auf dem Weg zum Flughafen zu sein. Organisation ist halt das halbe Leben. Hat alles wunderbar geklappt und Sonntagmorgen, während die ersten Marathonteilnehmer über die Harbour Bridge trabten, fuhren wir mit der Bahn gen Urlaub.

Montag, 13. September 2010

Tierchen und andere(s)


Durch den Besuch von Markus und Maren hatte nicht nur Lutz auf der Arbeit mit Markus viel zu tun. Auch ich war das eine oder andere Mal mit Maren unterwegs.

Aber die Woche begann erstmal mit Lutz´s und meinem Jahrestag und so gab es dann zum Abendessen ein romantisches Candlelight Picknick in der Oyster Bay. Einzig das Gebrumme des Tankers bei Shell eine Bucht weiter störte.
Am Dienstag bin ich mit Maren mit der Fähre nach Manly gefahren. Dort gab es wichtiges zu sehen: Manly als solches, den Strand, nebenan der Shelly Beach, die „Oceanworld Manly“ und … der Aldi dort. Wenn man in Deutschland bei der Konkurrenz arbeitet, macht sowas neugierig. Ausserdem wurde auch der rock pool zwischen Manly Beach und Shelly Beach noch inspiziert. Das Wetter war zwar schön sonnig, aber der Wind pustete ordentlich, so dass wir relativ schnell in der Oceanworld verschwunden sind. Dort ist die Hauptattraktion der Tunnel unter Wasser, der einmal rundgeht. Wie auf einem Karussell schwimmen dort Fischschwärme und riesige (aber auch kleinere) Rochen ihre Runden. Welse hängen überall „ab“ und Haie „dümpeln“ herum. Ausserdem gab es dort auch Taucher. Man kann dort einen Tauchgang „unter Haien“ buchen. Also, ich muss schon sagen, die Haie und die grösseren Rochen, das waren schon Oschies!! Als wir fast durch waren, kam eine Gruppe an, die an einer Führung teilnahmen. Da haben wir aber reichlich blöd geguckt, wie wir dort mithören konnten, dass durch das Glas die Fische verkleinert würden und in Wirklichkeit einiges grösser seinen! Bitte?! Noch grösser?!? Wahnsinn! Oben gab es einen Zylinder, der einen Teil des Great Barrier Reef nachstellte. Von den Korallen und Seesternen und Fischen war das so bunt im Wasser. Maren und ich hatten sowohl unten im Tunnel als auch oben versucht, die Fische zu fotografieren. Aber die sind so wahnsinnig schnell, da hat es schon eine Weile gedauert, bis wir halbwegs ordentliche Bilder hatten. Einen Paul gab es auch. Ehrlich gesagt wissen wir nicht, ob die Krake Paul oder Paula war. Aber sie schien Maren und mich mehr zu mögen als eine andere Frau. Wir konnten so viele Bilder von der Krake machen, dass Lutz nachher schon fragte „Wieviele haste denn noch gemacht??“. Aber die Frau flippte regelrecht aus, dass es ihr nicht gelang, gute Bilder zu machen…
Während Dienstagabend für Lutz und Markus Geschäftsessen anstand, hab ich mich dann Mittwoch ums Abendessen gekümmert: Wir hatten Markus und Maren eingeladen. Zum „Australischen Abend“ mit Steak und Maiskolben und so. Eigentlich hätten wir grillen müssen. Aber bei dem Wind wären uns die Steaks vom Grill geweht. Beziehungsweise der Grill wäre auch nicht angegangen…
Der Donnerstag und Freitag war dann wieder mehr unspektakulär.
Haka am Dienstag am Circular Quay
Aber ich musste Freitag noch eine Runde durch Crows Nest drehen: Ein Paket bei der Post abholen und im Woolie vorbeischauen. So als Deutsche, die noch ein wenig preussisches Blut in sich führen, mag man ja von den Australiern und ihrer Gemütlichkeit und Ansicht der Dinge denken was man will. Aber für ihre Gemeinschaft machen sie wirklich viel! Man kümmert sich gemeinsam um „ein besseres Leben in Australien“. Dazu gehört auch, dass man sich häufig ehrenamtlich betätigt oder auch, dass noch viele Leute, die eigentlich ehr unter „Rentner“ laufen würden, und auch behinderte Leute arbeiten gehen. Freitag war so ein Tag: Sowohl bei der Post als auch im Woolie wurde ich von Behinderten bedient. Die arbeiten vielleicht einen Tick langsamer, aber dafür umso genauer! Und trotz allem kann Australien auf eine relativ geringe Arbeitslosenrate stolz sein.
Eine Frage, die Lutz und mich diese Tage beschäftigt, ist, ob wir in unserer Wohnung bleiben können. Denn immerhin haben wir nur einen Jahresvertrag. Momentan bemühen wir uns, dass der Makler, über den wir die Wohnung haben, den Eigentümer kontaktiert, ob wir noch länger hier wohnen bleiben dürfen. Ein Umzug mit den paar Sachen und Möbeln, die wir haben, wäre keine grosse Sache. Aber Umzüge sind immer lästig, oder?

Am Samstag sind wir – wie könnte es anders sein – wieder zum Fischmarkt gefahren. Zusammen mit Markus und Maren, die abends wieder zurück nach Deutschland flogen. Prima, dass das Wetter toll war, so dass wir wieder draussen sitzen konnten.
Später haben wir die beiden in der Stadt rausgelassen, damit sie noch auf den Sydney Tower konnten. Wir sind weiter gefahren nach Wooloomooloo. Lutz macht ja gerne den Witz „Wieviele os sind in Wooloomooloo?“. Das liegt direkt rechts neben The Domain und dem Botanischen Garten. Wir hatten unsere Picknick-Decken dabei. Da tolles Wetter war, haben wir uns an Mrs Macquaries Point ans Wasser gelegt und das Treiben der Boote und Schiffe im Hafen und der Touris um uns herum beobachtet. Oder wir haben gedöst. Herrlich!
Da unser Auto ja in Woolloomooloo stand, fiel Lutz ein, dass Dean ihm mal Harry´s Café de Wheels (harryscafedewheels.com.au‎), einen Imbiss, gezeigt hatte. Dort sind wir dann irgendwann, als wir genug gelegen hatten, hingeschlendert. Die Spezialität ist der „Tiger“. In Australien werden ja gerne kleine Pasteten gegessen. Und so ist der Tiger eine Pastete, worauf man Kartoffelpüree macht, dort hinein eine Kuhle macht, darein Erbsenpüree füllt und dort wieder eine kleine Kuhle macht, um dort Bratensosse einzufüllen. Ist nicht Lutz´s Fall. Der hat sich über einen Hot Dog gefreut. Aber ich musste das mal ausprobieren. Die Füllung der Pastete war was pfeffrig. Aber ansonsten fand ich es schon ok, auch wenn ich mir normalerweise auch nichts aus Pasteten mach. Das war ganz nett dort bei Harry´s Café: Es gab einen ziemlichen Andrang. Und wenn man sein Essen hat, setzt man sich nebenan auf Holzbänke und schaut mit allen anderen Essenden nebeneinander auf´s Wasser.
Dass Russell Crowe nicht vorbei kam… Laut Dieter wohnt der ja dort irgendwo.
Wir sind anschliessend nach nebenan nach Kings Cross gegangen. Nachts möchte man dort nicht sein. Aber tagsüber ist es schon ok. Wir hatten unseren Spass, als wir durch die Victoria Street gingen. Dort sind viele Unterkünfte für Backpacker. Und was wir bisher vom Backpacker-Leben wussten, war ja nicht sooo prickelnd. Die Leute leben irgendwo am Existenzminimum und schauen sich so Australien an. Entsprechend runtergekommen sahen die Unterkünfte schon von aussen aus. Und auf der Strasse „blühte“ der Automarkt. Dort konnte man für mehr oder weniger wenig Geld einen mehr oder weniger fahrbaren Untersatz kaufen. Es war schon interessant und ein weiteres Mal mussten wir feststellen, dass das nichts für uns wäre. Allein schon, dass wir keine Anfang zwanzig wie die meisten Backpacker sind. Aber auch sonst nicht.

Abends ging es dann „ordnungsgemäss“ in eine Kneipe. Immerhin stand das Rugby-Spiel der besten Mannschaften der Welt, Australien : Neuseeland, an. Und wenn, man aus welchen Gründen auch immer, es nicht ins Station schafft, ist eine Kneipe genau die richtige Lokalität, um das Spiel zu verfolgen. Als wir im Union Hotel, was bei uns nur die Strasse hoch und dann eben rechts ist, ankamen, führten die All Blacks, die Nationalmannschaft Neuseelands, gerade ihren Haka aus. Das ist ein Kriegstanz der Māori – hier zur Einschüchterung der Wallabies, der Nationalmannschaft Australiens – den die All Blacks wohl vor jedem Spiel tanzen. Ein wenig scheint es sogar geholfen zu haben. Denn nachdem Australien ganz lange Zeit mit riesigem Abstand führte, konnten die „Kiwis“ dann doch soweit aufholen, dass sie letztendlich mit zwei Pünktchen mehr gewonnen haben.

Sonntag sind wir dann ein wenig nördlich nach Somersby gefahren. Dort ist der Australian Reptile Park. Und auch wenn man schon einige Tierparks und Zoos gesehen hat, kann man dort ruhig auch noch hingehen. Wir hatten uns aus dem Programm zwei Shows ausgesucht, die wir gerne sehen wollten: Die Reptile Show um elf und die Dingo Show um Viertel nach drei. Ich hatte ja schon bedenken, nachdem Maren und ich in einer halben Stunde in der Oceanworld alles gesehen hatten (ohne Fotosessions), wie wir die Zeit dazwischen rumkriegen sollten. Aber es gab so viel zu sehen und eine Show jagte die nächste. Da konnte keine Langeweile aufkommen. Das ist schon wirklich nett gemacht. Viele (australische) Tiere, die man unangenehm findet und die tatsächlich gefährlich sein können, wurden vorgestellt. Nach den Shows hatte man dann nur noch Respekt vor den Tieren, aber keine Angst, da die Tiere vorgeführt und ihre Verhaltensweisen erklärt wurden. Ausserdem, was besonders bei den Reptilien und den Spinnen wichtig ist, wurde erklärt, was man zu tun hätte, wenn man so einem Tierchen begegnet. Da kann man sich anschliessend mit einem ganz anderen Gefühl durch Australien bewegen.
Ausserdem beteiligt sich der Reptile Park an einem Giftprogramm. Wenn man zuhause eine Spinne fängt, kann man sie im nächsten Krankenhaus abgeben. Das leitet die Spinne an den Park weiter, wo wiederum Gegengifte hergestellt werden. Natürlich ist man nicht an harmlosen Spinnen wie die Huntsman interessiert. Lutz meinte schon, dass wir uns davon ruhig eine halten sollten, da sie Kakerlaken fressen. Na ja… Der Park ist mehr an Spinnen wie die redback spider (Rotrückenspinne) oder funnelweb spider (Trichternetzspinne) interessiert, um die Gegengifte herstellen zu können. Ach ja, redbacks gab es genug hinter der Werkstatt, wo ich gearbeitet hab. Und von der funnelweb haben wir die Netze auf Fraser Island zuhauf gesehen. Die Spinne, die wir in der Küche hatten, war ja eine Huntsman. Hätten wir damals schon gewusst, was wir jetzt wissen… Wir hätten sie nicht eingesaugt… Auch wenn wir ja bisher „gerademal“ fünf Kakerlaken in der Bude hatten. Als Kammerjäger hat man in Australien eine rosige Zukunft.
Das Leben der Tiere im Park kann man durch Patenschaften mitfinanzieren.
Jeder Cent, der nicht zur Erhaltung des Parks und Unterhaltung der Tiere gebraucht wird, geht an ein Programm, das den Tasmanischen Teufel retten soll. Die Tiere auf Tasmanien leiden an unheilbaren Gesichtstumoren.
In dem Tierpark gab es auch noch – ganz australisch – Picknick-Wiesen und Grillecken. Das war alles schon sehr gemütlich. Man guckte sich hier Tiere an, machte da ein Picknick, guckte sich wieder Tiere an (hatten die da grosse Rainbow Lorikeets!!), sah sich eine Show an, schaute sich Blumen an, wieder eine Show. So ging die Zeit fast rum wie im Flug. Das Nickerchen, wofür wir extra eine Decke mitgenommen hatten, haben wir völlig vergessen.
Dann wurde angeboten, dass man sich zusammen mit einem Tier fotografieren lassen konnte. Mit einer Python, anderen Schlangen, einem Baby-Krokodil, mit einem Wombat oder Koala ODER einem Dingo. Da wir ja seit Fraser Island eine Menge von Dingoes wussten, waren wir sehr erstaunt. Das wollten wir aber trotzdem machen! Tja, leider waren wir die fünften in der Reihe, die das wollten. Als wir dann mit dem Dingo zusammen auf der Bank sassen, hatte der die Faxen dicke und wurde aggressiv. Aus Sicherheitsgründen hat man den Dingo dann wieder in sein Gehege gebracht. Koalas haben ja auch meist ziemlich schnell keine Lust mehr auf die Rumknipserei. Bei denen äussert sich das aber nicht so „lebendig“. Aber wenigstens können wir jetzt sagen, wir haben mal einen Dingo „gepettet“ (gestreichelt).
"Wir entwurmen zusammen."
Später bei der Dingo-Vorführung wurde uns erklärt, dass Dingoes nie als Haustiere gehalten werden könnten, zu stark wäre der Drang „nach oben“ – ein Dingo will Chef sein. Zuerst wären die Haustiere dran, dann müssten sich die Kinder unterordnen und dann auch Mutti und Vati. Andererseits gelangen inzwischen aber immer mehr Farmer zu der Einsicht, dass Dingoes für das ökologische Gleichgewicht ja doch sinnvoll sind und nicht mehr getötet werden sollten. Somit erleben die Dingoes quasi eine Rehabilitierung.
Auch wenn der dusselige Dingo keinen Bock mehr hatte, sich mit uns fotografieren zu lassen, war der Tag alles in allem doch sehr schön!

Mittwoch, 8. September 2010

Wir haben Frühling!!

Fast wie in Deutschland. Wir vermuten, dass man das, was in Deutschland unter „Aprilwetter“ läuft, hier „Septemberwetter“ nennt. Sonne, Regen, Wärme, Kälte, Wind – von allem etwas. Vieles blüht oder ist kurz davor und sehr viele Blümchen verströmen einen Duft dabei… Sagenhaft! Ganz weit vorneweg: Jasmin, die gerne über die Zäune der Vorgärten wuchert. Oder halt noch immer die Freesien. Natürlich gehören zu einem „ordentlichen“ Frühling auch Schneeglöckchen. Bloss ist der Anblick hier schon etwas seltsam, da die Gegend in den letzten tausenden Jahren wohl keinen Schnee mehr gesehen hat. Wenn überhaupt… Dafür müsste man dann ein paar Kilometer weiter in die Blue Mountains oder noch weiter weg in die Snowy Mountains fahren. Klar, sagt ja schon der Name, dass es dort Schnee gibt. Aber die Australier stört das alles nicht, ob hier nun Schnee liegt oder nicht. Auch Krokusse haben ihre Daseinsberechtigung in den Gärten der Lower North Shore von Sydney.

Die letzte Woche stand fast total im Zeichen der „Besucherbespassung“. Während Lutz und Markus arbeiten mussten, hab ich Maren die wichtigsten Dinge in Sydney gezeigt. Wichtiges Highlight für alle war dann natürlich auch noch der lange Donnerstag im Macquarie Centre. Maren musste dort dann feststellen, dass Australien ja doch nicht sooo teuer sein muss. Eine Flasche Wasser kostete dort weniger als im Supermarkt in der Stadt und um einiges weniger als im Convenient Store am Milsons Point. Na, irgendwas muss für die Einheimischen doch günstiger sein. Und wenn es Lebensmittel sind…

Samstag traf es sich gut, dass Markus unbedingt zum Fischmarkt wollte. So sind wir zu viert hin. Zum allerersten Mal mussten wir drinnen sitzen, weil das Wetter nicht zum Aushalten war. Wir waren glücklicherweise so früh da, dass wir kein Problem hatten, einen Platz zu bekommen, um Markus und Maren in die Geheimnisse des „do it as the locals do“ (mach es wie die Einheimischen) einzuweihen. Das ist ja dann irgendwas leckeres aus dem Meer gepaart mit einem guten Tröpfchen Weisswein oder Sekt. Hmmmm…
Anschliessend haben sich die beiden Besucher noch Sydney angeguckt. Markus hatte ja noch nicht viel von der Stadt gesehen, da er ja von Lutz auf der Arbeit bespasst wurde. Da Markt in Surry Hills war, haben wir die beiden dort hingefahren und sind dann nach Hause. Glücklicherweise hatte sich das Wetter auch wieder eingekriegt, so dass wir nachmittags noch ein Ründchen laufen konnten, bevor Lutz und ich zu unserer eigenen Abendbespassung nach Crows Nest gingen. Nach je einer leckeren Bento Box beim Japaner ging es noch nach nebenan in die Stoned Crow, bevor es Heim ging.

Für Sonntag hatten wir uns angeboten, Markus und Maren die Blauen Berge zu zeigen. Langsam entwickeln wir uns da zu Profis. Seit Oktober waren wir jetzt bestimmt schon viermal dort. Wir hatten nichts besseres vor. Ausserdem haben wir einen Schreck bekommen, als wir hörten, dass die beiden erst mit der Bahn dahin fahren wollten. Da das ganze Wochenende an den Bahngleisen der Lower North Shore bis in die Innenstadt hinein gearbeitet wurde, hätten sie erstmal mit dem „Schienenersatzverkehr“ (Bus) zum Hauptbahnhof fahren müssen und von dort mit Umsteigen in Strathfield in die Blauen Berge. Da hätte ein Weg locker schon drei Stunden gedauert. Mit dem Auto braucht man da gerademal die Hälfte. Und sie haben garantiert mehr gesehen, als wenn sie dort mit dem Hop On-Hop Off-Bus gefahren wären.
Trotz herrlichstem Sonnenschein war es ziemlich stürmisch. In Sydney war es schon schlimm. Aber da oben auf den Bergen musste man teilweise schon kämpfen, damit man auf den Beinen bleibt. Unserem Ausflug hat das alles keinen Abbruch getan. Gemütlich haben wir die wichtigsten Programmpunkte angesteuert: Wentworth Falls, Echo Point mit „Besuch der ersten Schwester“, Mittagessen in Katoomba, Katoomba Falls vom Reid´s Plateau aus, in der Scenic World mit der Railway den Berg runter, unten über den Rainforest Walk zurück zur Cableway und ab nach oben zu Kaffee und Kuchen, Govett´s Leap und abschliessend der imposante Pulpit Lookout, wo Lutz und Markus trotz stümischer Winde runtergegangen sind. Aber alles ist gutgegangen.
An dem Rainforest Walk wird erklärt und gezeigt, wie dort früher in den Minen gearbeitet wurden. Dazu gehören auch Figuren. Somit habe ich dann das erste Mal seit über einem Jahr mal wieder auf einem Pony sitzen können. Wenn auch nur auf einem aus Bronze.
Ausserdem haben wir noch ein Lyrebird (Leierschwanz) Pärchen im Regenwald beobachten können. Gesehen haben wir es nur, weil es schon andere Leute gesehen hatten. Das war völlig verrückt: Der eine Vogel scharrte nur gelangweilt auf dem Boden rum, während der andere seine vielen und grossen Federn präsentierte. Untermalt wurde seine Show von seinen eigenen Imitationskünsten. Hätte man den Lyrebird nicht gesehen, hätte man darauf getippt, dass dort ein Currawong rumtönt. Das sind die schwarzen Vögel, von denen auch schon mal welche bei uns auf den Balkon zum Obstessen kommen.
Nicht nur auf dem Rückweg mussten Lutz und ich feststellen, dass unsere mittelmässige Kondition ja doch nicht so schlecht ist. Mir war das schon unter der Woche mit Maren in der Stadt aufgefallen, dass sie gegen frühen Nachmittag genug von der Lauferei hatte. Und auf dem Rückweg von den Blauen Bergen runter, sassen Markus und Maren bei uns hinten im Auto und schliefen irgendwann, während Lutz und ich noch relativ angeregt miteinander schwätzten.

Also: Bevor Ihr uns hier in den Hügeln von Sydney besuchen kommt, solltet ihr vielleicht zuhause noch schnell ins Trainingslager „Ausdauer und Skigymnastik“. Letzteres empfiehlt sich aufgrund der vielen Treppen überall sehr.

Dienstag, 31. August 2010

Von Wahlen, Walen und sonstigem

Endlich wird es in Australien Frühling. Zumindestens strickt die Natur ordentlich dran. Kalendarischer Frühlingsanfang ist ja am 1. September. So wie in es in Deutschland überall goldgelbene Flecken von den Rapsfeldern gibt, gibt es diese Flecken hier von den golden wattles, den Goldakazien. Durch diese Dominanz im Frühling haben sich die Australier bei der Wahl, wie ihr Nationalwappen aussehen soll, wohl gedacht, dass die Akazie im Hintergrund von Känguru und Emu sein sollte. Die Ranken im Wappen sind aber nicht annäherungsweise so schön wie die Wirklichkeit!!
Und überall fängt es an zu duften! Ich bin ja total begeistert, dass es Freesien nicht nur in den Vorgärten gibt, sondern auch auf wilden Wiesen. Meine allerliebste Schnittblume blüht gerade an fast jeder Ecke. Herrlich!
Ja, und nicht nur uns ist aufgefallen, dass es langsam wieder aufwärts geht mit dem Wetter. Auch die Lories freuen sich, dass sie wieder abwechslungsreichere Kost bekommen. Überall werden die Blüten angesteuert und daraus der Nektar getrunken. Das freut die Lories und das freut uns auch, denn nach der täglichen Belagerung der „kleinen Biester“ während des Winters hatten wir schon gezweifelt, ob wir unseren Balkon auch noch mal benutzen dürften. Aber momentan sieht es so aus, als hätten wir Glück!

Glück hatte keiner der Kontrahenten bei der Wahl hier. Das Rennen ging quasi 50 : 50 aus und man verhandelt noch immer mit möglichen Regierungspartnern. Die Australier nehmen es mit Humor. Es gibt inzwischen sogar eine Website www.doesaustraliahaveagovernmentyet.com, worauf halt gebeten wird, man möge doch Bescheid sagen, wenn sich was getan hätte und man davon sprechen könne, dass Australien wieder eine Regierung hätte.

Ach ja, eigentlich wären wir Sonntag ja nach Alice Springs für eine Woche in den Urlaub geflogen. Das mussten wir jetzt aber wegen Job um zwei Wochen verschieben. Wenn es dann tatsächlich stattfinden sollte, ist es ja auch ok.

Eigentlich ist es auch ganz gut so, dass es so kam wie es kam. Lutz´s Brille ist Donnerstag kaputt gegangen und WIR waren jetzt davon ausgegangen, dass das hier so klappt wie letztes Jahr in Oman, als die Brille kaputt war: Brille zum Optiker bringen, sechs Tage warten, Brille abholen. Das klappte damals dort nur nicht, weil wir nur noch fünf Tage dort hatten. In Deutschland war man da genauer und hat erst noch etliche Fragen zu den Augen und den Gläsern gestellt, aber letztendlich das kaputte Glas ersetzt. Und dann passiert das in Australien. Da ist man echt verloren. Oder wie Lutz sagte „Australien ist echt ein Optiker-Entwicklungsland!“.
Es war ja auch wieder langer Donnerstag im Macquarie Centre und dort gibt es fünf Optiker. Bei vier (!!) waren wir! Die ersten beiden konnten nur Gestelle mit Gläsern verkaufen. Der zweite Optiker guckte sich die Sache zwar genauer an, konnte aber doch nicht helfen. Also reine Höflichkeit. Der dritte Optiker konnte sogar die Glasstärke feststellen, sagte Lutz aber, dass er vier Wochen auf die Brille warten müsse. Wenn er Kunststoffgläser haben wollte, ginge das in zwei Wochen. Aber Mineralglas will in Australien keiner mehr haben und deswegen dauert es länger. Lutz will aber Mineralglas haben. Auf unserer Tour durchs Shopping Centre kamen wir dann noch an einem vierten Optiker vorbei. Wir waren ein wenig irritiert vom Kopfgewackel der indischen Optikerin. Aber sie versprach, gegen Angabe der genauen Werte, das Glas in zwei Wochen ersetzt zu haben. Mineralglas. Wunderbar! Werte besorgt und die Brille ist bald wieder fertig. Rechtzeitig zum Urlaub, obwohl im Red Centre wahrscheinlich doch ehr Kontaktlinsenwetter ist…

Samstagmorgen… Ach, der regelmässige Leser weiss, wo wir waren. Anschliessend sind wir zur 167th Annual Penrith District Show gefahren. Auf dem Gelände der Trabrennbahn von Penrith war Kirmes, Reitturnier, Schüler machten auf Bauern und nahmen an Rinderschauen teil, ausserdem gab es ein ziemliche Ferkelei, etliches Federvieh, Alpakas, Schafe, es gab Tanz- und KungFu-Vorführungen, das australische „THW“ (SES) stellte sich vor und es gab einen Holzhackwettbewerb. Komischerweise – im Land der Sicherheit – hatte keiner der Teilnehmer Schuhe mit Stahlkappen an den Füssen. Ne, was soll mit so einer Axt schon grossartig passieren, wenn man den Holzklotz zerhakt, auf dem man gerade steht. Da kann man doch irgendwelche dünnen Turnschuhe anziehen!…
Nachdem wir alles gesehen hatten, was wir sehen wollten, sind wir auf ein Käffchen nach „nebenan“ zur Wasserski-Anlage gefahren. Die Sonne brannte, es war angenehm warm, die Leute fuhren Wakeboard, aber das Wasser hatte erfrischende 15 °C, so dass wir noch was warten, bis wir uns noch mal an die Seilbahn hängen.
Etwas weiter hinter der Anlage liegt der Nepean River, an dessen Ufer wir uns noch was zum Dösen in die Sonne gelegt haben, bevor es wieder nach Hause ging.

Sonntagmorgen kam dann der nächste Kollege von Lutz aus Monheim an. Ralf hat es ja tatsächlich geschafft, hier wieder wegzukommen. Markus hatte Maren, seine Freundin, im Schlepptau, da die beiden genauso wie wir eigentlich Urlaub machen wollten. In Thailand oder so. Australien war nicht geplant. Aber wenn die Arbeit ruft…
Jedenfalls, damit die beiden auch erfolgreich gegen ihren Jetlag ankämpfen konnten, haben wir uns die beiden mittags geschnappt und sind mit der Fähre nach Darling Harbour geschippert. Dort ging es dann mit einem kleinen Umweg zum Anleger, von wo aus das Walbeobachtungsboot mit zwanzig, dreissig Neugierigen starten sollte.
Die Wale sind noch bis November auf Wanderung gen Norden. Wo Menschen teuren Urlaub auf den Whitsundays in der Nähe vom Great Barrier Reef verbringen, treffen sich von Mai an die Wale zum Kalben.
Während der Fahrt aus dem Hafen raus auf´s offene Meer haben wir uns schon gewundert, dass der „Reiseführer“ wesentlich mehr Wert darauf legte, uns zu erklären, wie wir die Kotztüten zu bedienen und zu entsorgen hatten als wie das mit den Rettungswesten geht.
Erstmal hatten auch alle noch Spass wie wir wie auf einer Achterbahn über die Wellen hopsten. Ein Delfin schwamm um das Boot herum, die Albatrosse flogen. Aber dann wurden die ersten beiden Wale gesichtet und der Motor des Bootes fast ausgeschaltet. War das eine Schaukelei! Immer mehr Leute verzogen sich unter Deck. Da dort warme und kalte Getränke angeboten wurden, haben Lutz und ich uns nichts gedacht. Markus und Maren verschwanden auch irgendwann. Aber die waren auch gerade über vierundzwanzig Stunden nach Australien geflogen und noch immer auf den Beinen. Irgendwann hatten Lutz und ich auch Durst und sind nach unten gegangen. Immerhin hatten wir ja auch schon viel Wal gesehen.
Das mit der Wal-Fotografie ist genauso schwierig wie mit der Delfin-Fotografie. Somit gab es schon etliche Bilder von Wasserfontänen und Walrückenflossen. Ja ja, ein schöner Rücken…
Auf dem Weg nach unten kamen wir schon an den ersten vorbei, die sich eine Kotztüte vor den Mund hielten. Wie gut, dass wir eigentlich Lärm machen sollten, um die Wale näher heran zu locken. Das machten einige, so dass man dann nicht hören konnte, wie sich einzelne übergaben. Am schlimmsten war es dann unter Deck. Man sass im Halbkreis und hielt sich die Tüten vor den Mund. Also schnell was zum Trinken greifen und wieder raus. Bei mir hat es dann irgendwann gereicht, wenn nur einer an einen Beutel wollte, wo die Kotztüten (wie heissen die Dinger eigentlich „offiziell“?) drin waren, dass mir aus Sympathie auch übel wurde. Aber mehr zum Glück auch nicht.
Eigentlich wären wir alle gerne schon nach zwei Stunden wieder zurück gefahren. Aber wir hatten vier Stunden gebucht und so fuhren wir noch Richtung Manly, da man dort auch einen Buckelwal gesichtet hatte. Der war auch sehr freundlich, kam sehr nah ans Boot und hielt uns sein Nase entgegen. Da Wale aber auch die Angewohnheit haben, unter Boote/Schiffe zu tauchen und sie aus dem Wasser zu heben oder - wie es australischen Seglern gerade erst passiert war - dass sich ein Wal quer auf´s Boot gelegt hatte, hielt der Kapitän es für ratsamer sich von diesem zutraulichen Burschen zu entfernen. Wie praktisch, dass es sowieso an der Zeit war, in den Hafen zurückzukehren!
Am Circular Quay angekommen, haben wir Markus und Maren noch ein wenig von The Rocks gezeigt, bevor wir alle müde mit der Fähre auf die andere Uferseite geschippert sind.

Mittwoch, 25. August 2010

Opernhaus und Sauerbraten


Es gibt mal so gut wie nichts von der letzten Woche zu erzählen. Unter der Woche war es so wie immer. Ok, seit dem wir aus den Bergen zurück sind, ist es in Sydney so warm, dass wir die Heizung im Wohnzimmer nur noch selten brauchen und den Heizer aus dem Badezimmer haben wir sogar schon eingemottet. Aber was gab es sonst?...

Samstag morgen ging es wieder zum Fischmarkt. Und Lutz´s Kollege Ralf war noch immer hier und kam mit dem Fahrrad dorthin geradelt. Es war schon ziemlich windig. Uns hat es weniger gestört als andere und so hatten wir dann so gut wie die freie Tischwahl draussen am Wasser.
Es war ja auch endlich Wahltag. Und wie gut, dass der Australier von Natur aus das Schlangestehen gewohnt und ein ruhiger, geduldiger Vertreter der menschlichen Rasse ist. Waren das Schlagen vor den Wahllokalen!!
Den Nachmittag bekamen wir auch noch rum und gegen sechs waren Lutz und ich ja schon wieder mit Dean und Leanne verabredet. In einem Restaurant in der Nähe vom Opernhaus, da wir ja Karten für eine Tanzvorführung hatten.
Nach einem schnellen Essen – es blieb trotz guter Planung nur Zeit für einen Hauptgang und Kaffee danach – ging es dann „rüber“ zum Opernhaus. Dort war schon einiges los. Klar, pro Abend laufen dort ja etliche Vorführungen unterschiedlichster Art. An einem Samstagabend finden sich dann wohl noch mehr Leute als generell ein. Unsere Vorführung fing verspätet an, was vielen Aussies gelegen zu kommen schien. So konnten sie noch ein wenig die Wahl auf den vor den Sälen hängenden Fernsehmonitoren verfolgen.
Die Vorführung selber war schön. Fanden zumindestens Leanne und ich, da wir uns der Sache einfach hingegeben haben, während Dean und Lutz den tieferen Sinn des Gesehenen suchten. Wir Mädels haben das auch nur bedingt verstanden. Es ging, da es eine Aborigine-Tanztruppe war, um Aborinine-Themen. Da haben wir ja nicht so richtig Ahnung von. Aber es gab Leute, die mit einem entzückten Blick „amazing“ (fantastisch) sagend in die Pause gingen.

Sonntagmorgen sind wir tatsächlich mal wieder gelaufen. Ach ne, Freitag waren wir ja auch unterwegs gewesen. Wie auch immer… Nach unserem ausgiebigen Frühstück sind erstmal nach gegenüber in den Park gegangen, die Sonne geniessen. Mit dem immer mehr Leute ihr Mittagessen beendet zu haben schienen, wurde es im Park immer voller, so dass wir uns auf den Weg nach Top Ryde gemacht haben. Dort ist vor kurzem ein neues Einkaufszentrum eröffnet worden, was wir uns mal anschauen wollten.
Schön war´s. Es gab Kaffee und Kuchen und einen Feinkostladen, wo wir endlich unsere fehlenden Zutaten für unseren Sauerbraten gefunden haben. Beziehungsweise für den nächsten Sauerbraten, da wir bei dem ersten ja ein wenig improvisieren mussten. Das hat dem Geschmack aber keinen Abbruch getan! Abends war es endlich so weit: Unser erster rheinisch-australischer Sauerbraten kam auf den Tisch. Läcker!!

Zu der Wahl bleibt noch zu sagen: Das Thema ist leider noch nicht durch. Eine Zeitung titelte „Eine geteilte Nation“, weil beide Hauptparteien in etwa gleich viele Punkte (Sitze) bekommen haben. Jetzt gibt es halt ein Gerangel, wer mit wem regieren darf und so manch ein Minister fordert Neuwahlen. Oh nein! Entscheidet euch lieber!!!!

Mittwoch, 18. August 2010

Von den Blauen Bergen kommen wir…

…gerade zurück. Mit Matthias hatten wir zwar auch einen bebrillten Lehrer dabei, aber lassen wir das…

Lutz und ich können uns beglückwünschen, in so einer tollen Gegend zu wohnen! Ja! Den Leuten in Wollstonecraft geht es so gut, dass sie sich öffentlich im örtlichen Käseblättchen über die Bahn, die schon länger durch Wollstonecraft geht, als die Leute überhaupt auf der Welt sind, aufregen können. Und eine Japanerin hat das uns bisher einzige bekannte Hunderestaurant am Bahnhof Wollstonecraft eröffnet. Nein, es ist wirklich keine Chinesin und es gibt dort auch keinen Hund im Topf. Ehr ist es so, dass Waldi dort mal endlich lecker essen gehen kann – und darf sogar Herrchen und/oder Frauchen mitbringen. Klar, die sind ja dazu verdammt, des Fiffi´s Portemonnaie zu tragen. Sachen gibt´s…

Der Wahlkampf hier nervt langsam immer mehr. Sowohl Julia Gillard als auch Toni Abbot sind inzwischen bei Nova aufgetreten. Das ist so als wäre Frau Merkel bei 1Live auf Wählerfang.
Die Wahlwerbespots im TV sind ganz anders als man sie aus Deutschland kennt: Kein Politiker sagt, wofür er steht. Das einzige, was man erfährt ist, wie schlecht der Gegner ist und dass man den besser nicht wählen soll. Ah ja…

Inzwischen gab es im Briefkasten auch ein Blättchen, das die Wahl im Vollen und Ganzen erklärt: Wann man wo wählen kann und halt auch wie. Das ist sehr interessant. Hier macht man seine eigene „Hitparade“. Die Partei, die einem am Besten gefällt, bekommt die 1 und die anderen halt in aufsteigender Nummerierung die entsprechenden Zahlen bis zur schlechtesten. Das Beispiel zeigt zehn, es soll aber auch Wahlzettel mit mehr Auswahl geben. Dann lassen wir uns mal überraschen!!
Lutz und ich fanden es seltsam bis sowas wie „gemein“, dass man dieses Blättchen bei Bedarf auch in diversen anderen Sprachen erhalten kann. Unter anderem in den diversen chinesischen Dialekte, Khmer (!), sämtliche Sprachen des Balkans, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Russisch und noch einige andere. Den Deutschen wird es offensichtlich zugetraut, dass sie das Blättchen verstehen. Herzlichen Glückwunsch!
Und in Australien gibt es das, was sich jeder deutsche Politiker wünschen würde: Die Wahlpflicht.

Aber: Die Wahl in Australien nur am Rande. Nun endlich der Bericht zu unserer Tour in die Blue Mountains.
Erstmal haben wir alle ja noch die Woche in Sydney verbracht. Lutz und ich „wie immer“ und Peter, Sophie und Matthias dann auch mit Ingrid und Felix, die montags nachkamen, mit Sightseeing. Ja, und Peter musste noch eben beruflich nach Melbourne und wegen eines Tornados an der Grenze Victoria/Newsouthwales hätte er uns beinahe in die Berge hinterher reisen können. Aber er hat es geschafft, den letzten Flieger aus Melbourne raus zu bekommen, bevor der Flugverkehr zwischen Melbourne und Sydney erstmal zum Erliegen kam.
Um neun Uhr ab Hotel in Kirribilli ging es los. Lutz und ich waren ja Ende Mai das letzte Mal in den Blue Mountains gewesen. Wir konnten uns noch sehr genau erinnern, dass es dort etliche Grad kälter als in Sydney gewesen war – ok, bei tausend Metern Höhenunterschied. Aber dass es dort auch unendlich viele Baustellen entlang des Great Western Highway gab, war neu.
Mit der Kälte hatten wir auch richtig eingeschätzt und schön warme Sachen eingepackt. Einzig für die Köpfe hatten wir nur Baseball Caps mitgenommen. Aber wie gut, dass wir erstmal zum Echo Point bei den Three Sisters gefahren sind. Dort in der Touri-Info gibt es ja auch alles zu kaufen, was das Touri-Herz höher schlagen lässt: Nippes, Krimskram, natürlich alles auf mindestens australisch, wenn nicht sogar aborigine gestylt. Und praktischerweise – die scheinen ihr Wetter zu kennen – gab es auch Mützen. Unsere Rettung!
Und nachdem wir unsere Mützen hatten und Ingrid noch die allerletzten Infos von der guten Frau in der Info bekommen hatte, fing die Zeit an, die wir meistens mit Wanderungen durch den Blue Mountains National Park verbracht haben.
Die Vegetation in den Bergen vertrat so ziemlich alles und das meiste in Blüte, was so in Australien wächst: Banksien in allen Formen und Farben (=> auch Grevilleen, Dryandra, Hakea und Mountain Devil), Eukalyptus, Bottlebrush, Akazien noch und nöcher, alles mögliche, was unter Heidekraut läuft, so wie auf Fraser Island gab es auch hier Sonnentau, (Baum)Farne, die Black Boys genannten Grasstrees, Flechten und Moose, Myrten unterschiedlichster Art (eine davon ist der Teatree) und auch immer wieder nett: Boronia.
Die Berge mit ihren Sandsteinformationen haben natürlich ihren ganz eigenen Reiz. Den eigentlichen Reiz aber macht dieser blaue Stich aus, den man bei gutem Wetter über den Bergen „liegen“ sieht und der allerallerhöchstwahrscheinlich namengebend für die Gegend war. …vermute ich mal so…
Netterweise haben die Aussies alle Steigungen auf Wanderwegen in den Blue Mountains mit Treppen versehen. Es geht selten geradeaus. Meistens runter oder halt wieder hoch. Das ist für Leute, die parken, ein „paar Meter“ zum nächsten Aussichtspunkt wandern und dann zurück zum Auto laufen, bestimmt toll. Aber für uns… die stundenlang sich von Wasserfall zu Wasserfall und von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt „durchgearbeitet“ haben, war das irgendwann nicht mehr toll. Ok, ein optimales Krafttraining für Lutz´s und meine Beine war es irgendwie schon – da muss das Bergauf- und Bergablaufen in North Sydney doch direkt besser klappen!! Aber ansonsten taten einem irgendwann die Beine und Knie ordentlichst weh! Wie schön, dass Ingrid bei ihrer Tourplanung auch immer darauf geachtet hat, dass man quasi am Wendepunkt irgendwo einkehren konnte. Passenderweise für das „Land der Wasserfälle“, was die Blue Mountains auch sind, gab es in der Conservation Hut dann Cascade Bier. Aber wir waren mehr auf Kaffee und Kuchen aus.
Am ersten und somit Ankunftstag haben wir uns alles, was es auf den Wanderwegen um Blackheath gab, angeschaut: Tolle Aussichten über die Berge, tolle Vegetation, tolle Wasserfälle und und und. Der Pulpit Lookout war dort schon sehr spektakulär: Über eine Treppe konnte man auf eine fast freistehenden Felsturm hinabsteigen. Dank des Geländers haben wir uns auch alle darauf gewagt. So stürmisch wie es war, wäre es ohne dem Geländer nicht gegangen.
Während unserer Wanderung bekam ich eine SMS von Ann, der Vermieterin der Hütte, die wir gebucht hatten, dass sie in Sydney aufgehalten worden sei und somit es nicht schaffen würde, uns das Feuer in der Hütte anzuzünden. Oooch, wir waren zuversichtlich, das zu schaffen.
Tja, bloss ist australisches Holz einiges härter als europäisches und lässt sich, auch wenn es dann schön lange brennt, erstmal recht schlecht anzünden. Aber irgendwann haben wir es geschafft. Das mussten wir auch, weil es ausser in einem Schlafraum sonst keine Heizung gab. Und draussen waren doch tagsüber gerademal zehn und nachts wesentlich weniger Grad Celsius. Um nachts hätten wir uns wahrscheinlich keine Sorgen machen müssen. Überall lagen Wärmflaschen und Decken rum.
Morgensfrüh konnten wir dann, während wir selber drinnen im Warmen frühstückten, den Crimson Rosellas, King Parrots und einer Taube zuschauen, wie sie sich aus einem Blumentopfuntersetzer das Vogelfutter holten. Ansonsten gab es ja in dem winterlichen Wald, wo das Cottage stand, nicht viel zu sehen.
Glücklicherweise hatten wir bis auf den Wind auch schönes Wetter. Es gibt in den Blue Mountains so wenig Alternativen bei schlechtem Wetter. Einen Tag würde man wohl noch überstehen, aber mehr…
So haben wir uns dann Freitag auf unsere erste längere Wanderung begeben. Dafür mussten wir auch nicht so weit fahren. Es ging rund um die Wentworth Falls, die namengebenden Wasserfälle für den Ort, wo wir wohnten.
Genauso wie den Tag vorher und den Tag danach rund um die Katoomba Falls ging es wieder von Wasserfall zu Wasserfall und von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Den erfolgreichen Wandertag krönten Peter und Lutz erstmal mit einem Bier vor der Hütte, bevor Lutz versuchte unsere Steaks draussen auf dem Grill zu grillen. Peter war das zu langsam und da der Ofen gerade alles gab, landete sein Steak kurzerhand auf dem Ofen.
Den nächsten Tag ging es wieder Trepp auf, Trepp ab – diesmal um die Katoomba Falls herum. Wir können uns nicht entscheiden, ob das Highlight des Tages war, dass während des Mittagspicknick am Echo Point der „alte Wagga Wagga“, welches in diesem Fall der dort „ansässige“ Aborigine war, uns eine liebliche Melodai auf seinem Didgeridoo hören liess oder dass wir auf den ersten Felsturm konnten, welches die erste der drei Schwestern (Three Sisters) ist oder der Giant Stairway – neunhundert Stufen im Zickzack am Fels entlang nach unten. Man könnte aber auch die Seilbahn nennen, mit der wir am Ende zurück zur Scenic World und somit zu den Autos gefahren sind. War das schön, nicht den ganzen Berg noch hochlaufen zu müssen!!
Den Tag drauf sind Peter & Co. in aller Früh nach Brisbane gefahren. Jawoll, alle drei Erwachsenen und die beiden Kinder sind in einem Auto die tausend Kilometer nach Brisbane gefahren. Respekt, Respekt!!
Lutz und ich haben den Tag gemütlicher angehen lassen, sind noch nach Lithgow, tiefer in die Blue Mountains rein, gefahren, um dort mit der Zig Zag Railway zu fahren. Dort sind Schienen im Zickzack den Berg hinunter angelegt. Man kann mit verschiedenen Zügen fahren. Wir waren mit einem Diesel-/Elektrozug unterwegs. So ging es dann schneller. Hätte man die Dampflok genommen, hätte es länger gedauert, da die Lok je nach Fahrtrichtung in den „Ecken des Zickzacks“ immer umgekoppelt werden musste. Welchen Zug man nimmt, hängt aber davon ab, welcher gerade fährt, wenn man fahren will.
Lustig war, dass der Verein, der die Schienen und Züge betreibt, auch viel für Kinder macht. So gibt es eine Lok, die Thomas, der Lokomotive nachempfunden worden ist. Und es gibt den Wizzard Express, womit Harry Potter Fans, natürlich von Gleis 9 ¾ aus, zu einer Harry Potter Feier gefahren werden.
Ja, das war unsere Woche.