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Mittwoch, 9. Juni 2010

Soviel Regen hält ja keiner aus!!






Dienstag hatten wir kalendarisch Winteranfang. Da muss sich wer vertan haben! Man könnte ehr meinen, wir sind in der Regenzeit gelandet! Es regnete die ganze Woche ohne Unterlass. Eigentlich war es sogar von Tag zu Tag schlimmer geworden! Monsunartige Regenfälle. Den ganzen Tag lang. Sturzbäche kamen die Hazelbank Road runtergeschossen und selbst die Fleckchen, die sonst bei Regen noch immer trocken sind, waren inzwischen schon lange nass. Freitag war der schlimmste Tag. Unglaublich!
Und das all, wo der australische Winter doch so trocken und mild sein soll. Lutz meinte im Sommer noch, dass wir im Winter schön durch die Nationalparks wandern können. Aber doch nicht bei so einem Wetter…
Die Lories wussten auch schon nicht mehr, wo sie sitzen sollen. Zu acht oder so drängelten sie auf dem Fensterbrett von unserem Küchenfenster. Nur einer war so clever und setzte sich bei uns ans Waschküchenfenster – vom Wetter wirklich abgewandt.
Inzwischen kommen immer mehr Vögel bei uns vorbei, um zu sehen, ob es nicht auch was für sie gibt. Regelmässige Besucher sind inzwischen auch die Currawongs, die wir ursprünglich ja für Magpies gehalten haben. Magpies sehen aber doch ein wenig anders aus. Und Noisy Miners, die, auch wenn der Name anderes verspricht, überhaupt nicht laut sind, kommen auch immer regelmässiger vorbei und nuckeln an einer Weintraube. Sofern es die Lories erlauben. Die haben nämlich die Herrschaft über unseren Balkon und diese wird auch mit Gezeter und Körpereinsatz verteidigt.

Ich persönlich bin bei dem Wetter noch mehr froh, den Schritt getan zu haben, meinen Job zu kündigen. Unter anderem wegen dieser elendigen Fahrerei. Ja, und erkältet war ich ja schon letzte Woche. Jetzt Montag war mein letzter Arbeitstag und ich bin mir sehr sicher: Wäre ich auch nur einen einzigen weiteren Tag dieser Woche morgensfrüh in der Kälte und im Regen nach Blacktown und abends im selben Wetter zurückgekommen – die Lungenentzündung hätte nicht lang auf sich warten lassen!
So hab ich meine neugewonnen freie Zeit damit genutzt, meine Erkältung endlich zu kurieren und auch schon mal die eine oder andere Bewerbung rauszuschicken.

Dann – das wissen wir von GMX!! – gibt es nicht weit von uns (kein Kilometer Luftlinie) ein Restaurant, dass das neue iPad als Speisekarte nutzt. Die Idee ist lustig. Mal sehen, was ein Kellner davon hält, wenn man ihn fragt, ob man die Speisekarte als Andenken mitnehmen könnte.

Ein paar Strassen weiter weg von dem Restaurant ist ja der Aldi von North Sydney. Die hatten letzte Woche Skisachen im Angebot!! Jaa, in Australien!! Aber immerhin kann man hier ja in die Snowies (Snowy Mountains) zum Skifahren fahren. Oder wer es lieber ein wenig günstiger mag, fliegt nach Neuseeland. Lutz fand es äusserst seltsam, dass Leute in T-Shirts sich durch die Skisachen-Angebote wühlen.

Samstag waren wir dann natürlich beim Fischmarkt. Da das Wetter kurzfristig schön war, war draussen eine Menge los. Aber vorher haben wir mal wieder einen anderen Händler ausprobiert. Zumindestens für´s Sashimi, da beim Peter´s eine unendlich lange Schlange war. Schräg gegenüber ist Christies. Irgendwie scheint dort alles teurer zu sein. Algensalat und Stäbchen sind teurer als bei Peter´s und die Soja-Wasabi-Sosse bekam man noch im Bausatz in x Tütchen. Der Lachs kostete nach unseren Erfahrungswerten genauso viel wie bei Peter´s. Thunfisch ist immer teuer. Aber bei Christies fand ich es schon unverschämt teuer, dass es nur ein klein bisschen davon gab. Ein anschliessender Preis-Check bei Peter´s und noch einem anderen Sashimi-anbietenden Fischhändler zeigte, dass zumindestens Christies und der andere Händler sich bei den Preisen abzusprechen scheinen. Aber: Bei Peter´s war ein Kilo Thunfisch-Sashimi dreissig (!!! – in Worten: dreissig!!) Dollar günstiger!! Wenigstens hat das teure Zeug geschmeckt!
Samstagabend sind wir nach Crows Nest ins Crows Nest Hotel zum Abendessen gewesen. Eigentlich hatten wir nicht damit gerechnet, dort noch einen Tisch zu bekommen und wollten erstmal nur ein Bierchen trinken. Kommissar Zufall hat es gerichtet und so gab es dann doch dort Abendessen: Steak.
In der NRL (National Rugby League) gibt es momentan „State of Origin“. Das ist ein Rugby-Turnier unter besten Bundesstaat-Mannschaften von Australien, die seit einer Weile wohl Queensland und Newsouthwales sind. Vor zwei Wochen oder so war das zweite Spiel hier in Sydney (insgesamt sind es wohl eigentlich drei Spiele – keine Ahnung, wann das Turnier wirklich begonnen hat) und am 16. Juni ist dann das Finale in Brisbane. Das Spiel in Sydney hatten wir im Fernsehen verfolgt und waren bei den Regengüssen froh, zuhause im Warmen zu sein. Na ja, die „Maroons“ aus Queensland waren auch einiges besser als die „Blues“ aus Newsouthwales. Da dadurch das Spiel für uns langweilig war, hat Lutz auf der Couch ein Nickerchen gehalten und ich hab mich der Hausarbeit gewidmet. …und das, obwohl wir später feststellen mussten, dass NSW zwar nicht gewonnen hat, aber sich sehr wacker geschlagen hatte. Jedenfalls ist am 16. ja das Rückspiel und somit auch Finale. Zu dem Turnier gibt es im Crows Nest Hotel über den Zeitraum zwischen den beiden Spielen den Modell-Wettbewerb „Face of Origin“ mit Rugby-Gucken. So werden wir uns nächste Woche dort dann wohl dort auch einfinden. Das wird dann wohl nicht so ganz langweilig.

Sonntag waren wir dann endlich bei „The Taste of Manly“. Das ist ein Essens- und Weinfest in der Fussgängerzone und die Strandpromenade von Manly entlang. Eigentlich wollten wir Samstag schon dort gewesen sein. Aber eines der wichtigsten Dinge für den Australier ist ja sein Feierabend und somit fand die Veranstaltung an beiden Wochenendtagen auch nur bis fünf Uhr nachmittags statt. Für uns hätte es sich am Samstag also nicht mehr gelohnt. Aber Sonntag war prima.
Wir waren relativ früh da und haben uns erstmal auf die Suche nach einem Frühstück begeben. Das gab es dann an der „ferry wharf“, wo die Fähre aus Sydney anlegt. War das herrlich! Wir sassen draussen und haben gefrühstückt, die Sonne strahlte vom Himmel und um alles perfekt zu machen, hatte man auch noch die Heizstrahler angestellt.
Frisch gestärkt haben wir uns dann ins Getümmel begeben. Für Wein war es uns definitiv zu früh. Und ich hatte schon leicht Kopfschmerzen, so dass ich nichts wagen wollte.
Hier und da spielten Bands, überall gab es Stände, die alles mögliche anboten. Selbst Bunnings, der australische OBI, hatte einen kleinen Stand. Es gab alles mögliche und unmögliche, viel Kunstgewerbe, Stände von wohltätigen Einrichtungen, ein Stand, der anbot, normale Autos in Elektro-Autos umzubauen. Das war natürlich was für Lutz und die junge Frau war sehr engagiert, ihm alles haarklein und –genau zu erklären, wie toll die Sache ist. Inklusive, dass man das Elektro-Auto ja während der Arbeitszeit „auf der Arbeit“ aufladen könnte. Na, da muss man aber wohl erstmal mit Chef reden, was der davon hält. Natürlich gab es „Fress-Stände“ und eine „Ecke“ mit Ständen, die alle möglichen Weinsorten anboten. Doch, war sehr schön! Und vor allem konnte man sich ohne Eintritt bezahlen zu müssen, über das Fest bewegen. Da können die Veranstalter von „A Taste of Sydney“ sich noch eine Scheibe auf zwei von abschneiden!!
Ach ja, es war zwar als wir in Manly waren schönes Wetter (als wir zurück waren, war auch der Regen zurück), aber durch den Wind doch ziemlich frisch. Trotzdem war die Brandung 1a, so dass sich etliche Surfies im Wasser tummelten. Neopren macht es möglich… Andererseits waren am Strand Volleyballnetze aufgebaut. Die spielenden Damen hatten meistens nur einen Bikini an… Einigen Leuten war es dann wohl doch nicht so frisch wie uns?!...
Abends waren wir eigentlich mit Dean und Leanne zum Abendessen verabredet. Uneigentlich hatten sich meine Kopfschmerzen zu einer ausgewachsenen Migräne entwickelt, so dass ich Lutz wieder alleine losgeschickt hab. Bei mir gab es „im Bett liegen“ und bei Dean und Leanne hatten die drei dann das Pizza-Taxi mit einer Familien-Pizza zum Abendessen anrollen lassen.
Hoffentlich fällt meinem Körper so was am kommenden Wochenende nicht ein, wenn wir das „Queens Birthday“-Wochenende von Freitag bis Dienstag mit Peter und Ingrid und ihren Kindern auf Fraser Island verbringen!!!

Donnerstag, 3. Juni 2010

Besuch von Zeiti - Bilder über Bilder ...aber die letzten





Besuch von Zeiti - weitere Bildchen





Besuch von Zeiti - Bilder...





Besuch von Zeiti - noch mehr Bilder





Besuch von Zeiti






Herbstzeit ist auch in Australien Erkältungszeit. Ich hatte mich schon länger gefragt, warum Lutz die letzten Jahre immer um diese Zeit nach Australien gereist ist. Wenn es in Deutschland anfängt zu grünen und zu blühen, kann es doch nicht so attraktiv sein, in so ein Usselswetter zu reisen. Aber eine Kollegin meinte, dass es die letzten Jahre im Herbst immer trocken gewesen sei.
Hingegen einem Kollegen, der auch aus Deutschland stammt, einfiel, dass er das erste Jahr hier in Australien auch permanent erkältet gewesen sei. Lutz scheint da in den letzten Jahren bei seinen Besuchen Immunität aufgebaut zu haben. Und ich hab jetzt die dritte oder vierte Erkältung innerhalb von acht Monaten. Na ja, wenn alle Theorien stimmen, dauert es ja auch nicht mehr lange bis zu „meiner Immunität“.
Eigentlich wäre optimales Wetter um den Tag in der Sauna zu verbringen. Aber wo gibt es hier eine Sauna?!
Praktisch am Herbst ist, dass sowohl Haare als auch Nägel ihr temporeiches Wachstum vom Sommer wieder eingestellt haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so oft die Nägel schneiden musste wie hier die letzten Monate. Und Lutz mit seinem Kurzhaarschnitt war auch wesentlich häufiger bei den Damen der „schnibbelnden Kunst“ anzutreffen als jetzt.
Die Australier hatten sich ja schon über den viel zu milden Sommer beklagt und jetzt dieser total verregnete Herbt. Seit Tagen und Wochen fast ausschliesslich Regen. Der Ätz in Tüten!! Dem Wetter entsprechend husten und schnupfen jetzt viele Leute rum. Und da wir ja in Australien sind, werden dadurch vermehrt Eukalyptusbonbons gelutscht, so dass die Ausdünstungen der Menschen nun etwa so riechen wie die von Koalas – wenn die Nase denn so frei ist, dass man überhaupt was riecht.
Aber was nettes gibt es trotz Regen: Über einen Tag verteilt gibt es immermal wieder einen Regenbogen sehen.

Ich war schon die ganze Woche lang ein wenig erkältet. Mittwoch hab ich dann den Rest bekommen, als ich nach der Arbeit auf den Bus gewartet hab. Dort an der Bushaltestelle gibt es weder ein Häuschen zum Unterstellen, noch sonst etwas, wo man hätte ein wenig Schutz vor dem Regen bekommen können. So stand ich dann unter meinem Schirm und wartete auf den elendigen Bus, während der Regen noch relativ harmlos dahinplätscherte. Wäre der Bus auch nur halbwegs pünktlich gewesen, wäre wohl noch alles gutgegangen. Aber er kam viel zu spät und der Regen kam inzwischen auch wieder in Kübeln vom Himmel. Durchgekühlt und angenässt ging es dann nach Blacktown zum Bahnhof. Natürlich hab ich den Zug verpasst und mich dann in einen Bummelzug gesetzt. Denn der stand schon im Bahnhof und immerhin hielt der auch in Waverton. Wenigstens hatte Lutz Erbarmen und hat mich am Bahnhof dann eingesammelt. Das hielt die Grippe aber auch nicht mehr auf…

Am Wochenende hatten wir dann Besuch von Zeiti. Ohne unhöflich sein zu wollen, hab ich seine Geschäftsreise begrüsst – im Sinn von: Er hat im Hotel übernachtet. Lutz hätte das bestimmt gedeichselt, wenn wir Zeiti hier gehabt hätten. Aber so war wohl allen geholfen.
Freitag war mal schönes Wetter und so hat Lutz früher Feierabend gemacht, um Zeiti in der Stadt zu treffen. Sie haben eine Runde durch The Rocks gedreht. Das Löwenbräu hatte zwar noch das „Pure Bier-Festival“, aber draussen gab es wieder eine Schlange wartender Leute, so dass es für die beiden Pizza gab. Ganz abgesehen davon war es vielleicht für beide nett, einen Herrenabend zu haben.
Wenn es sich nicht verhindern lässt, nehmen wir unseren Besuch ja samstags mit auf den Fischmarkt. So haben wir dann die Fähre genommen, um Zeiti am Anleger beim Maritime Museum zu treffen und von dort aus zum Fischmarkt zu gehen. „Komisch“ war noch, dass auf der Harbour Bridge statt der Flagge von Newsouthwales die der Aborigines gehisst war. Vielleicht lag es daran, weil die Woche vorher ein Buch über Bungaree herausgekommen war. Das wurde hier im grossen Rahmen mit der Gouverneurin Prof. Bashir gefeiert. Bungaree war ein Aborigine, der mit Matthew Flinders Australien weiter erkundet und von Herrn Macquarie in Georges Heights hier in Sydney eine Farm bekommen hatte.
Ja, jedenfalls hatten wir am Samstag auf dem Fischmarkt wieder freie Tischwahl. Sehr wenige Asiaten waren dort. Wahrscheinlich mehr einheimische Asiaten, da die Bustouren mit den Touris dann wohl ehr im Sommer stattfinden. Dafür kommen immer mehr Pelikane vorbei und schauen, ob es für sie nicht noch was leckeres gibt. Pelikane sind irgendwie viel netter und unaufdringlicher als die Möwen. Mit den Möwen ist es wie mit den Lories: Sie sind ausgehungert. So konnten wir dann noch beobachten, wie Möwen einen „Asiaten-Tisch“ attakierten – in der Hoffnung, was für den leeren Magen zu bekommen. Die Lories sind ja da verwöhnter und ihr Hunger dauert auch nur so lang, bis Lutz und/oder ich aufgestanden sind/bin und dem „Dackelblick“ nicht mehr widerstehen können.
Eine Möwe hatte es auch auf uns abgesehen. Wir unterhielten uns gerade noch darüber, dass die englische Aussprache der Asiaten nicht immer verständlich sei. So gab es die Geschichte meiner indonesischen Kollegin, die anlässlich des Geburtstages einer anderen Kollegin zu mir meinte „It´s time for cak!“. Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich dahinter gestiegen bin, was sie meinte: Cake. Sie wollte mir sagen, dass es Zeit für Kuchen ist. Und während wir uns am Fischmarkt noch über das Wortspiel mit „cak“ und dem deutschen „Kack“ beömmelten, hat es eine Möwe, keiner weiss wie das klappen konnte, Lutz, ja, angekackt. Zum Glück nicht so viel. So konnten wir auch relativ schnell weitermachen in unserem Programm.
Auf dem Plan stand nun das National Maritime Museum. Wir haben uns dann alle ein „Big Ticket“ besorgt, mit dem wir den Zerstörer, das U-Boot, die Endeavor und noch ein weiteres Segelschiff uns anschauen konnten.
Im Gegensatz zum Powerhouse Museum war das im Maritime Museum richtig nett gemacht. Überall waren ehrenamtlich tätige Tour-Guides unterwegs, die einem bereitwillig alles erklärten und darüber hinaus auch immer für ein nettes Pläuschchen aufgelegt waren. Ist ja klar – wir sind ja in Australien und nichts schätzen die Aussies mehr, als eine gepflegte Unterhaltung.
Wir haben uns dann von rechts nach links „durchgearbeitet“. Los ging es auf dem Zerstörer, der Vampire. George führte uns rum. Das Schiff ist zwar zur See gefahren, aber nie in ein Gefecht gekommen. Die Funkanlage ist noch funktionstüchtig, so dass sich einmal im Monat Hobbyfunker dort eintreffen.
Ansonsten muss das Leben an Bord eines Zerstörers oder auch eines U-Bootes schon sehr eingeschränkt sein. Zu Zeiten, als der Zerstörer und das U-Boot noch im Dienst waren, hatten alle Matrosen dort ihre Pritsche. Heutzutage gibt es an Bord solcher Schiffe - oder ehr Boote, wie sie genannt werden, wie uns ein Tour-Guide erklärte – weniger Personal und jeder hat seine eigene Kabine. Welch Luxus! Aber an den 90 Sekunden für eine Dusche wird sich wohl nichts geändert haben.
Die Brücke der Vampire war ursprünglich nicht überdacht. Ausserdem war es nur die „Schein-Brücke“, um den Feind abzulenken. Die tatsächliche Brücke lag darunter. Dort war alles rot erleuchtet, da das menschliche Auge dafür wohl nur zwei Minuten braucht, um sich von grellem Sonnenlicht umzugewöhnen. Bei normaler Beleuchtung dauert die Umgewöhnung wohl zwanzig Minuten, was im Kampf natürlich fatal sein kann. Die „Ablenkungsbrücke“ wurde überdacht, als das Schiff in den Dienst als Schulschiff ging.
Das U-Boot war sehr eng und man muss schon recht schlank und klein sein, um es dort länger aushalten zu können. Dort gab es aufgrund der Enge keine Führung. Aber hier und dort sass jemand, der uns gerne was erklärte. Ein Tourguide dort fragte uns zu unseren Tipps für die Fussball-Weltmeisterschaft. Uns dreien ist Fussball ja relativ egal und so haben wir uns nicht so richtig äussern können/wollen. Der gute Mann war damit aber nicht zufrieden und erklärte noch „Da vorne die Dame kommt aus Brasilien und meint, Brasilien würde Weltmeister!!“. Ach ja, na klar! Uns war der Titel weiterhin relativ egal und die Brasilianerin wollte sich dann gegen drei Deutsche nicht weiter äussern.
Dann kam der Schock. Von der Moderne „zurück zu den Wurzeln“ auf die Endeavour, dem Segelschiff von James Cook. Oder besser gesagt, die Nachbildung des Schiffs. James Cook hatte mit der richtigen Endeavour seine erste Südseereise gemacht. Und auch heute kann man noch mit der Nachbildung mitsegeln. Im Gegensatz zu den beiden vorher besichtigten moderneren Schiffen: Dem Zerstörer und dem U-Boot. Davon ist keins mehr fahrtauglich. Aber wir haben keine Ahnung, wie man sich bei den vielen Seilen, Tauen, Segeln und was man noch so braucht, um mit dem Segelschiff zu segeln, zurechtfindet. Es sieht zwar sehr ordentlich aus, aber bei der Menge verliert man als Laie bestimmt schnell den Überblick…
Ja, der Nachbau der Endeavour hat auch bereits alle Punkte dieser ersten Entdeckungsreise der Südsee von James Cook „abgeklappert“.
Das Raumschiff Endeavour wurde nach dem Segelschiff benannt. In dem Nachbau gibt es einen Holznagel aus dem echten Segelschiff, der mit dem Raumschiff auf dessen Jungfernfahrt unterwegs war und jetzt in die Replik gehämmert ist – „Dieser einfache Holznagel verbindet nun das 18. Jahrhundert-Segelschiff mit dem 20. Jahrhundert-Raumschiff“.
Auch auf dem Segelschiff gab es wieder freundliche Mitarbeiter des Maritime Museums, die uns bereitwillig alles erklärten und auch noch Geschichten zu James Cook und seiner Truppe zu erzählen wussten.
James Cook hatte damals schon sehr darauf geachtet, dass die Schiffsmannschaft nicht an Skorbut erkrankte. Probates Mittel war damals schon Sauerkraut, was ja einerseits durch die Milchsäuregärung haltbar ist und andererseits über einen hohen Vitamin C-Gehalt verfügt. Wer es nicht mochte, wurde wohl zum Verzehr gezwungen. Ausserdem gab es Karottengelee und eingezuckerte Zitronen, weshalb englische Seeleute wohl heute noch „Limey“ genannt werden.
Die Tische waren am „offenen Ende“ mit Seilen befestigt. An den Seilen hingen Quasten, die als Servietten dienten. Lutz hatte noch die Überlegung, ob man dann irgendwann die Quasten ausgekocht hätte, um ein leckeres Süppchen zu bekommen. Das wusste die Dame, die uns etwas über das Leben an Bord erklärte, nicht.
Die Endeavour ist für die Australier natürlich besonders wichtig, da sie das Schiff ist, mit dem Captain Cook als erster Europäer die australische Ostküste in Botany Bay, an der heutzutage der Flughafen von Sydney unter anderem liegt, betreten hat.

Samstagabend sind wir trotz schlechtem Wetter nach Neutral Bay ins Oaks gefahren. Tatsächlich sassen einige Leute unter der grossen alten Eiche. Wir haben es aber vorgezogen, drinnen zu sein. Das ist weiter auch kein Problem, denn auch dort kann man sich sein Steak nach eigenen Wünschen grillen.

Sonntag ging es mal wieder in die Blue Mountains nach Katoomba. Dort singt aber nie einer „Von den blauen Bergen kommen wir, unser Lehrer ist genauso blöd wie wir…“… Aber: Wir mussten Zeiti ja die „drei Schwestern“ (die Steinformation Three Sisters) zeigen. Ich selber hatte das Wetter völlig unterschätzt und war froh, dass Lutz noch eine Arbeitsjacke im Auto hatte. Die war für mich zwar ehr ein Einmannzelt, aber wenn sie denn warm hält…
Dem Aborigine, der sonst den Touris Eindrücke der Didgeridoo-Musik gibt, war es wohl auch zu kalt. Seine Instrumente lagen draussen rum, von ihm weit und breit aber keine Spur.
Nachdem wir dann noch irgendwo im Warmen ein lecker Käffchen getrunken hatten, kam die Idee auf, mit diesen Gondeln und Bergbahnen, die es dort gibt, ins Tal zu fahren und dort sich etwas umzuschauen. Es gibt eine Bergstation für Bergbahn, Gondel und den „Skywalk“, mit dem man „über“ den Blue Mountains schwebt.
Nachdem auf der Karte zu lesen war, dass es eine Runde gibt - Mit der Bergbahn runter, zweieinhalb Kilometer Spaziergang durch den Busch und dann mit der Gondel wieder hoch (oder umgekehrt) - hab ich mit dafür entschieden, lieber oben zu bleiben. Zweieinhalb Kilometer sind ja jetzt nicht so lang. Aber wenn man erkältet ist und der Wind pfeift. Ausserdem war es hier ja noch zusätzlich locker acht Grad kälter als in Sydney. Näää, ohne mich!
Lutz und Zeiti sind dann ins Tal gefahren, während ich mir den Souvenirladen angeschaut habe. Es ist unglaublich, was die in diesen Läden an Geld verlangen. Und wir wissen ja, dass es die Sachen in Sydney bei Paddy´s Market um die Hälfte bis zum vier-, fünffachen günstiger gibt. So wunderte es Lutz und mich vorher in Katoomba bei einem Schmuckhändler nicht, dass dieser, als er merkte, dass wir hier wohnen, uns sämtlichen Opalschmuck für die Hälfte der ausgewiesenen Preise anbot. Wir haben trotzdem nicht gekauft. Meistens ist hier der Opalschmuck ja nicht sehr schön. Der Stein ja, aber das Metall drumherum…
Wie auch immer. Lutz und Zeiti waren unten, haben sich noch eine alte, stillgelegte Miene angeschaut und kamen irgendwann wieder hoch. Ich hatte es mir gerade in einem Café an der Bergstation gemütlich gemacht. Unten muss es wohl auch wesentlich wärmer und vor allem windstiller als oben auf dem Berg gewesen sein.
Vor der Heimfahrt hab ich mir in der örtlichen Apotheke noch Medizin geholt. Ja, hier haben auch die Apotheken sonntags auf. Das Stöffchen, was sie mir gegeben haben, muss ein ganz tolles Stöffchen gewesen sein – immerhin verlangte man von mir, dass ich mich ausweise. Und ich muss sagen: Kuriert bin ich nicht, aber zumindestens konnte ich den Rest des Tages ein wenig mehr geniessen.

Abends waren wir noch beim Thai in Waverton. Im Anschluss haben wir Zeiti noch eben nebenan auf die Bahn in die Stadt gesetzt, bevor das Wochenende komplett rum war.

Ach ja, dann gab es ja noch den Eurovision Song Contest. Und da et Lena aus und für Deutschland ja gewonnen hatte, gab es sogar hier im Radio dazu eine Meldung. Was waren wir drei verwundert, als wir das hörten! Nicht nur, dass dieser Wettbewerb eine Meldung wert war, sondern auch, dass Deutschland als glänzender Sieger daraus hervorgegangen ist!

Dienstag, 1. Juni 2010

Nebel und viel viel Regen






Leute, was soll ich sagen? Langsam aber sicher „wintert“ es sehr hier in Australien. Die letzte Woche gab es kaum schönes Wetter. Wenn man nach draussen schaut, sieht man eine Waschküche und ist froh, drinnen bei Heizung und einem warmen Getränk zu sein.

Entsprechend unspektakulär war dann auch unsere letzte Woche. Sie dümpelte so vor sich hin. Selbst zum Laufen fehlt uns momentan jeglicher Elan. Ein „Highlight“ war natürlich der lange Donnerstag im Macquarie Centre. Aber sonst...
Die traurige Nachricht der Woche war dann, dass Claudia und Mazr ihren für Juli angekündigten Besuch auf Unbestimmt verschoben haben.
Wenigstens Zeiti scheint nächstes Wochenende bei uns einzutrudeln.
Was gab es noch... In der Zeitung konnte man lesen, dass die australische Regierung die „Liste der in Australien benötigten Berufe“, also, welche Leute mit welchen Berufen bevorzugt auf längere Zeit einreisen dürfen, ordentlich zusammengestrichen hat. Von den ursprünglich 400 Berufen sind nur noch 181 geblieben. Man befand, dass man jetzt genug Köche, Friseure, Apotheker und andere habe. Weiterhin gesuchte Professionen sind zum Beispiel Arzt oder Ingenieur.
Ja, da hörte es dann auch wieder auf mit interessanten Dingen von Montag bis Freitag. Wie gut, dass dann das Wochenende kam.

Samstagmorgen regnete und regnete es, dass man garnicht dran glauben mochte, dass es jemals wieder aufhört. So wollten wir eigentlich das Auto für die geplante Runde Fischmarkt => Paddy´s Market => Maritime Museum => nach Hause nehmen. Lutz hatte aber eine Eingebung und plädierte dann doch auf Fähre. Und siehe da: Langsam aber sicher holte Petrus die Wolken zurück und schob die Sonne raus.
Am Fischmarkt hatte sich das noch nicht herumgesprochen, so dass wir sogar noch die grosse Auswahl hatten, welchen Tisch wir am Wasser nehmen würden, während sich die Massen drinnen fast stapelten. Es dauerte aber auch nicht lange, bis noch mehr Leute nach draussen nachkamen.
Nach dem Bummel durch Paddy´s Market ging es dann zurück nach Darling Harbour – dort ist ja der Fähranleger, wenn man zum Fischmarkt will. Und ausserdem ist dort auch noch das Australian National Maritime Museum. Wir wollten ja immermal uns alle Schiffe dort anschauen: Ein U-Boot, ein Zerstörer und das Schiff von James Cook - die Endeavour. Unser Anlass war aber „Ella´s pink Lady“, das Boot, mit dem Jessica Watson die Welt umrundet hat. Das Boot kann man vom Ufer bis kommenen Mittwoch aus bestaunen, bevor es in den heimatlichen Hafen nach Queensland kommt.
Das nette am Maritime Museum ist, dass man dort keinen Eintritt bezahlen muss. Einzig, wenn man die grossen Schiffe besichtigen will, wird Eintritt fällig. Das Wetter hatte sich aber so prima entwickelt, so dass Lutz und ich uns dafür entschieden, nach einer kleinen Fotosession mit dem Segelboot, lieber das Wetter zu nutzen, als in den Engen der Schiffe rumzuschnöfen.
Zum Maritime Museum gehört auch ein Café/Restaurant. Von dort hat man eine herrliche Aussicht auf das Treiben in Darling Harbour und auf den Schiffen vom Museum. Tollerweise gibt es dort ein leckeres Käffchen und sehr entspannende Musik.
Bevor wir dort dann noch eingenickt sind, haben wir uns auf den Heimweg begeben. Da gab es noch strahlenden Sonnenschein. Aber mit dem wir wieder zuhause waren, öffnete Petrus die Schleusen und das verregnete Wochenende ging weiter.
Aaaach, wir hatten am Donnerstag im Woolie einen Braten gekauft. Den gab es dann Samstagabend. Hmmm, war der lecker!!

Sonntag regnete es weiter dicke Bindfäden. Am liebsten wäre man zuhause hinter dem nicht vorhandenen Ofen geblieben. Aber es war doch Wochenende! Da will man doch auch mal was anderes sehen, als die ganze Woche vorher schon.
So haben wir uns für das Powerhouse Museum in Darling Harbour entschieden. Dort gibt es Kunst und Technik zu sehen. Diesmal haben wir das Auto genommen. Vom einen Ende der Harbour Bridge konnte man das andere Ende nur erahnen, so nebelig war es.
Das Museum war nett gemacht. Einzig die vielen herumstreunenden Kinder taten der Sache einen Abbruch. Es ist ja prima, wenn Eltern mit ihren Sprösslingen ins Museum gehen. Aber dann sollten sie sich auch drum kümmern und sie nicht einfach rumrennen und machen lassen. So kam es, dass man eigentlich vieles auf Knopfdruck hätte erklärt bekommen können. Aber die wenigsten Eltern störte es, dass ihre Blagen wahllos auf den Knöpfen herumdrückten, bis sich die dazugehörigen Anwendungen aufgehängt hatten. Da tat es dann regelrecht gut, dass es tatsächlich doch noch zwei, drei pflichtbewusste Eltern gab, die ihren Kindern das Gesehene erklärten.
Na, und dann hing dort noch ein Helikopter von der Museumsdecke. Wir hatten bis dahin immer gedacht, hinter „Dick Smith“ verbirgt sich nur diese Elektroladenkette. Aber Dick Smith ist viel mehr. Es ist ein Australier, der nicht nur diese Geschäftskette gegründet hat. Es gibt auch noch eine Lebensmittelkette und „Australian Geographic“, die von ihm gegründet wurden. Ausserdem setzt er sich gerne mit seinem Vermögen für Leute ein: Zum Beispiel für in Guantanamo inhaftierte Australier, damit diese einen fairen Prozess bekommen. Oder australischen Senatoren zahlt er die Gerichtsrechnungen, damit der Herr Senator nach Zahlung nicht bankrott ist, was geheissen hätte, dass er aus dem Senat hätte ausscheiden müssen.
Australien ist nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber das Land der Idealisten und Abenteurer. Und so liess Dick Smith es sich vor Jahren nicht nehmen, mit diesem Hubschrauber, der nun dort im Museum hängt, die Welt zu umfliegen. Das Museum bot noch ein Filmchen an, was auch abgespielt werden konnte. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass sich zu wenig Eltern und Kinder in die vierte Etage verliefen.
Als wir diesen Mann im Film mit seiner „Nerd-Brille“ (ist ja wieder modern) sahen, wussten wir direkt, dass wir das Gesicht schonmal gesehen hatten: Neben dem Schriftzug der Elektromarktkette.
Auf dem Weg zurück zum Auto hatten wir noch unseren Spass. Lutz besonders. Er war hemmungslos und positionierte sich „in der ersten Reihe“, um zu sehen, wie eine Chinesin völlig austitschte und rumbrüllte, weil sie nicht aus dem Parkhaus kam. Der Automat, der die Karten an der Ausfahrt „frisst“, schien kaputt zu sein. Seit wann auch immer. Der diensthabende Parkhausmitarbeiter sah die Angelegenheit relativ asiatisch gelassen. Während er den Automaten reparierte und die Frau nichts mehr merkte und nur noch hysterischer wurde, meinte er zwischendurch völlig stoisch immermal nur „Beruhigen Sie sich doch mal!“. Das war irgendwie komisch und Lutz hatte vor Lachen die Tränen in den Augen. Irgendwie kam die Frau dann doch aus dem Parkhaus und wir kamen nach Hause.